Im katholischen Irland entfacht der Fall einer hirntoten Schwangeren die Debatte um die strengen Abtreibungsgesetze neu. Erst nach einem entsprechenden Gerichtsurteil stellte die Klinik die Maschinen ab, mit der die Frau auch nach ihrem Tod noch künstlich beatmet wurde. Nötig wurde das Gerichtsverfahren, weil die Ärzte fürchteten, wegen Fahrlässigkeit oder sogar wegen Mordes an dem Fötus vor Gericht gestellt zu werden.

Die drei Richter des High Courts in Dublin entschieden, es sei klar, dass der 18 Wochen alte Fötus trotz fortgesetzter künstlicher Beatmung der Mutter nicht bis zur Geburt überleben werde.

Nach derzeitiger Rechtslage ist selbst Vergewaltigungsopfern nicht automatisch eine Abtreibung erlaubt. Doch immer mehr irische Parlamentsabgeordnete sind dafür, Abtreibungen in Fällen von Vergewaltigung, tödlicher Missbildungen eines Fötus oder langfristiger gesundheitlicher Risiken für die Frau zu erlauben. Gesundheitsminister Leo Varadkar sagte, die Regierung werde den Gerichtsbeschluss prüfen. Er selbst befürwortet ebenfalls mehr Ausnahmen vom generell geltenden Abtreibungsverbot.

In der vergangenen Woche lehnten Parlamentarier aber mit großer Mehrheit einen Antrag der Opposition ab, Abtreibungen ganz zu legalisieren. Seit einer ersten Lockerung 2013 ist ein Schwangerschaftsabbruch nur erlaubt, sofern das Leben der Frau nach Einschätzung von Ärzten ernsthaft in Gefahr ist. 2012 starb eine Frau in einem irischen Krankenhaus an einer durch ihre Schwangerschaft verursachte Blutvergiftung. Eine Abtreibung war ihr verweigert worden.

Während die Angehörigen am Abend Abschied von der Toten nahmen, kritisierte die katholische Kirche, dass der Gesetzgeber keine klaren Anweisungen für Fälle erlassen habe, in denen eine Schwangere stirbt und der Fötus nicht allein überleben kann. "Eine Frau ist nicht einfach ein Brutkasten", sagte der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin. Man müsse sehen, wie weit der Fötus entwickelt sei und welche Möglichkeiten es gebe. "Es gibt keine Verpflichtung, außerordentliche Maßnahmen zur Lebenserhaltung zu ergreifen. Das gilt für beide – die Frau und das Kind", sagte Martin.

Die Abortion Rights Campaign, die für die Aufhebung des Abtreibungsverbots eintritt, begrüßte die Entscheidung des Gerichts. Das Urteil bedeute, dass die Wünsche der Familie respektiert worden seien, und dass diese ihr Kind nun loslassen könnten.

Die Schwangere, die Ende 20 war und zwei Kinder hatte, erlitt bei einem Sturz schwere Kopfverletzungen und wurde am 3. Dezember für hirntot erklärt. Zuvor war sie bereits wegen einer Zyste im Gehirn im Krankenhaus behandelt worden. Trotz des festgestellten Hirntods weigerten sich die Ärzte, auf die Bitte der Familie einzugehen und die lebenserhaltenden Geräte abzuschalten. Daher mussten die Richter entscheiden, ob die Frau so lange an die Geräte angeschlossen bleiben solle, bis das Baby entbunden werden könne. Ein Baby ist in der Regel mit rund 24 Wochen selbst lebensfähig.

In ihrem 29-seitigen Urteil folgten die Richter den Argumenten von sieben Ärzten, die als Zeugen ausgesagt hatten. Demnach wäre der Zustand des Körpers der Frau eine zunehmende Gefahr für den Fötus geworden: Neben Fieber und hohem Blutdruck sei er vollgepumpt mit Medikamenten, die für Schwangere nicht zugelassen seien, hatten die Mediziner gesagt. Es sei daher grotesk, eine solche Behandlung fortzusetzen.  

Das Gericht ließ mit seinem Beschluss aber offen, ob in anderen Fällen von hirntoten Schwangeren anders entschieden wird, wenn sich der Fötus entscheidend näher am überlebensfähigen Alter befindet.