Wenn wir dieser Tage auf das Jahr 2014 zurückblicken, denken wir an die Ukraine-Krise und den Terror des "Islamischen Staates", an die Affäre um Sebastian Edathy und an die Pegida-Demonstrationen, an die Fußball-WM und die Olympischen Spiele. All diese Themen haben die ZEIT-ONLINE-Leser interessiert, die Beiträge dazu wurden viel gelesen, geteilt, diskutiert und kommentiert.

Betrachtet man aber einzelne Artikel, haben sich die Leser am meisten für persönliche Geschichten interessiert – und für gesellschaftliche Debatten. Im Januar 2014 bekannte sich Thomas Hitzlsperger als erster Fußballprofi zu seiner Homosexualität. Mit dem ZEIT-Interview stieß er eine Debatte an, die im Profifußball bisher tabu war. Tagelang dominierte Hitzlspergers Offensive die deutsche Berichterstattung. Die exklusive Meldung zu seinem Bekenntnis ist der meistgelesene Artikel des Jahres bei ZEIT ONLINE.

Von einem Tag auf den anderen verzeichnete Google im November eine Verzehnfachung der Suchanfragen zum Namen des schwedischen Models Lina Scheynius. Sie hatte für das ZEITmagazin einen sehr persönlichen Bericht über den Alptraum Modewelt verfasst, in dem sie detailliert beschrieb, was das ständige Warten auf Aufträge, das Sich-zur-Schau-Stellen bei Castings und das zermürbende Konkurrenzdenken im Mode-Business mit ihr gemacht hatten. In den sozialen Netzwerken wurde ihre Geschichte viel geteilt und diskutiert. Über Google suchten plötzlich Tausende Nutzer ihren Bericht und mehr Informationen über diese Frau.

Eine der gesellschaftlichen Debatten, die über das ganze Jahr hinweg von und mit ZEIT-ONLINE-Lesern geführt wurde, ist die über die sogenannte Generation Y. Seit die zwischen 1980 und 1995 Geborenen in die Wirtschaft drängen, kritisieren Personalchefs, Unternehmer und auch Medien ihre Einstellung zur Arbeit. Dabei werteten die Vertreter dieser Generation nur das Glück höher als das Einkommen, schrieb Kerstin Bund Anfang März. Mit diesem Wertewandel verändere die Generation Y die Arbeitswelt. Und das sei gut so.

Die meistgelesenen Artikel bei ZEIT ONLINE im Jahr 2014:

  1. Thomas Hitzlsperger bekennt sich zu seiner Homosexualität
  2. Lina Scheynius: Jung und schön. Und ganz schön unglücklich
  3. Generation Y: Wir sind jung und brauchen das Glück  
  4. Julia Engelmann: Ihre Zukunftsangst wird zum YouTube-Hit
  5. Krim-Krise: Die Ereignisse im Live-Blog
  6. Schwangerschaft: Plötzlich und unbemerkt Mutter
  7. Udo Jürgens ist gestorben
  8. Casual Sex: Nichts für Anfänger
  9. Bäckereien: Hier ist der nächste gute Bäcker in Ihrer Nähe
  10. Der Mauerfall und seine Folgen: Das geteilte Land

Wird Wäsche bei 30 Grad wirklich sauber?

Die interne Suche auf ZEIT ONLINE zeigt ein anderes Bild der Themenschwerpunkte: Kolumnen, das tägliche Wissensquiz und Nachrichten interessierten unsere Leser in diesem Jahr am meisten. Harald Martenstein führt die Rangliste der internen Suchanfragen an. In seiner wöchentlichen Kolumne schreibt er über Alltägliches und Politisches, über gesellschaftliche und persönliche Anliegen. In dem Text, der in diesem Jahr auf das größte Leserinteresse stieß, machte er sich Gedanken "über Sinn und Sinnlosigkeit des Kinderkriegens". Aber nicht nur Beiträge von Harald Martenstein werden gern gelesen, sondern auch die über ihn: Als Feminismuskritiker kommt ihm beispielsweise in Robin Detjes viel gelesenem Beitrag zur Gender-Debatte eine prominente Rolle zu.

Für viele ZEIT-ONLINE-Leser gehört der tägliche Wissenstest zur Vormittagsroutine. Er dient wahlweise dazu, sich auf den nächsten Party-Smalltalk vorzubereiten oder die eigene Allgemeinbildung und das Wissen über das aktuelle Nachrichtengeschehen zu überprüfen. Am häufigsten wurde der Wissenstest vom 19. März aufgerufen – ein Mittwoch, kein Feiertag in Deutschland. An diesem Tag verschickte die Bundesarbeitsministerin ihren Mindestlohn-Gesetzentwurf zur Abstimmung an die übrigen Ressorts, die ukrainische Armee plante ihren Rückzug von der Krim und Borussia Dortmund zog ins Viertelfinale der Champions League ein. Warum also ausgerechnet der 19. März? Vielleicht waren die Fragen besonders einfach.

Beliebt sind auch die Fragen, die Christoph Drösser in seiner Stimmt’s?-Kolumne beantwortet. Am stärksten bewegte die Leser in diesem Jahr, ob Wäsche wirklich sauber wird, wenn man sie bei 30 Grad wäscht. Auf den nachfolgenden Plätzen folgen die Fragen, ob Tomaten Obst oder doch Gemüse sind und ob der Magen größer wird, wenn man mehr isst.

Was bedeutet es für ZEIT ONLINE, wenn unsere Leser häufig nach unterhaltenden Kolumnen und Quiz suchen? Wir sollten uns vermutlich überlegen, wie wir diese gern gelesenen Inhalte genauso gut auffindbar machen wie unsere Nachrichten, Analysen, gesellschaftlichen Debatten und persönlich erzählten Geschichten.