Die Zahl antisemitischer Attacken in Frankreich hat sich 2014 im Vergleich zum Vorjahr deutlich erhöht. Im vergangenen Jahr habe es 854 Fälle gegeben, im Jahr 2013 seien es noch 423 Taten gewesen, teilte der jüdische Dachverband (Crif) mit. Die Zahl der Angriffe und Beleidigungen habe sich verdoppelt, die Zahl der körperlichen Gewalttaten gegen Menschen sei sogar um 130 Prozent gestiegen. Der überwiegende Teil der Angriffe wurde demnach in Paris, Marseille, Lyon, Toulouse, Straßburg oder Nizza registriert.

Die Entwicklung sei "sehr besorgniserregend" und zeige eine teils zunehmende Radikalisierung "von der Beleidigung zur Gewalt, von der Gewalt zum Terrorismus" auf, so der Verband. Nötig seien Schutz und Prävention etwa auch durch Erziehung.

Der Dachverband hob hervor, dass die antisemitischen Taten etwa die Hälfte aller rassistischen Vorfälle in Frankreich umfassten. Bereits im Herbst gab der Crif bekannt, dass die neuen Formen der Gewalt gegen Juden besorgniserregend seien, darunter Angriffe organisierter Banden, Anschläge auf Synagogen und Vandalismus gegen jüdische Geschäfte.

Die jüdische Gemeinde in Frankreich ist mit 500.000 bis 600.000 Mitgliedern die größte in Europa und die drittgrößte weltweit nach Israel und den USA. Die französischen Juden beklagen seit Jahren einen wachsenden Antisemitismus, immer mehr wandern nach Israel aus.

Bei der islamistischen Anschlagsserie in Frankreich vor etwa drei Wochen waren auch Juden Ziel der Attentäter. Während einer Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt in Paris erschoss einer der Islamisten vier Menschen. Insgesamt waren bei der Anschlagsserie im Großraum Paris 17 Menschen von den drei Islamisten getötet worden, die am Ende von der Polizei erschossen wurden.