Auf einem jüdischen Friedhof im Osten Frankreichs sind mehrere Hundert Gräber geschändet worden. Der Vorfall ereignete sich laut dem französischen Innenminister Bernard Cazeneuve in der Ortschaft Sarre-Union im Verwaltungsgebiet Bas-Rhin. Cazeneuve verurteilte die Tat als abscheulich. "Die Republik wird diese neue Verletzung der von den Franzosen geteilten Werte nicht tolerieren", sagte er.

Nach Angaben aus Ermittlerkreisen wurden etwa drei Viertel der insgesamt 400 Gräber auf dem jüdischen Friedhof in Sarre-Union geschändet. Nach Medienberichten wurden etwa 200 Grabsteine umgeworfen und ein Holocaust-Mahnmal beschädigt. Der Friedhof war bereits in der Vergangenheit Ziel von Grabschändern gewesen. 1988 wurden rund 60 Stelen umgeworfen, im Jahr 2001 wurden 54 Gräber verwüstet.

Frankreichs Präsident François Hollande erklärte, die Behörden würden alles tun, um die Täter so schnell wie möglich zu finden. "Frankreich ist entschlossen, unablässig gegen Antisemitismus zu kämpfen und gegen diejenigen, die den Werten der Republik schaden wollen", sagte er. Premierminister Manuel Valls verurteilte die "antisemitische und schändliche Tat" via Twitter:

In Frankreich haben judenfeindliche Angriffe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, wie der Dachverband jüdischer Einrichtungen (Crif) mitteilte. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich die Zahl der Taten 2014 deutlich erhöht: Der Verband registrierte 854 Fälle, im Jahr 2013 seien es noch 423 Taten gewesen. Die Zahl der Angriffe und Beleidigungen habe sich verdoppelt, die Zahl der körperlichen Gewalttaten gegen Menschen sei sogar um 130 Prozent gestiegen. Der überwiegende Teil der Angriffe wurde demnach in Paris, Marseille, Lyon, Toulouse, Straßburg oder Nizza registriert. Aufgrund dieser Vorfälle erwägen viele der rund 600.000 Juden auszuwandern. 

Erst Anfang Januar hatte ein radikaler Islamist bei einem Angriff auf einen jüdischen Supermarkt in Paris vier Juden getötet – die Tat ereignete sich einen Tag nach dem tödlichen Angriff auf die französische Satirezeitung Charlie Hebdo.