ZEIT ONLINE: Herr Maciejcuk, ich erreiche Sie am Telefon in Debalzewe. Sie kämpfen dort als Pole für die ukrainische Armee?

Tomasz Maciejczuk: Ich bin kein Soldat der ukrainischen Armee und auch kein Söldner, wie von den russischen Medien behauptet. Ich kämpfe nicht. Aber seit dem vergangenen Mai unterstütze ich die Ukraine. Ich habe als Freiwilliger in verschiedenen Bataillonen geholfen. Am Anfang transportierte ich Verbandsmaterial und Medizin für Verwundete. Ich hatte in Polen einiges Geld dafür gesammelt. Vor dem Winter habe ich Schuhe und warme Uniformen organisiert. Jetzt übernehme ich auch den Job eines Berichterstatters. Ich schreibe auf Facebook und Twitter über das, was ich sehe.

ZEIT ONLINE: Sind Sie noch in Debalzewe?

Maciejczuk: Nein, da ist es seit gestern absolut zu gefährlich. Ich bin gerade mit ukrainischen Soldaten an der Straße M03, Richtung Artemiwsk. Sie verbindet Debalzewe mit dem nicht besetzten Teil der Ukraine. 

ZEIT ONLINE: Wird diese Zufahrt- und Ausfahrtstraße noch von der ukrainischen Armee kontrolliert?

Maciejczuk: Man muss sagen: Nein. Im Moment haben die Ukrainer keinen freien Weg mehr nach Debalzewe und die Soldaten kommen auch nicht hinaus. Seit Wochen wird darum gekämpft, jetzt haben die prorussischen Truppen die Straße eingenommen. Es ist grausam, die Soldaten, meine ukrainische Freunde in Debalzewe wurden beschossen, mit schwerer Artillerie. Für sie gibt es keinen Ausweg. Die Stadt ist verloren. Die Waffenruhe tötet meine Freunde.

ZEIT ONLINE: Gibt es noch Zivilisten in der Stadt?

Maciejczuk: Ja, klar, es sind ja nicht alle geflohen. Sie haben kein Wasser, kein Strom, leben im Keller, können nicht rausgehen und sie warten.  Aber ich weiß nicht, auf was sie warten.

ZEIT ONLINE: Es sollen einige ukrainische Soldaten gefangen genommen worden sein?

Maciejczuk: Ja, aber heute am ganz frühen Morgen gelang es auch einigen ukrainischen Soldaten, Debalzewe zu verlassen. Sie mussten sich ihren Weg raus aus der Stadt freikämpfen. Viele starben dabei, ich weiß nicht wie viele. Aber einige meiner Freunde haben es geschafft, zu fliehen. Sie mussten jedoch einen Teil ihrer Waffen zurücklassen. Es gibt hier, also vor Debalzewe, viele Verwundete und zu wenig medizinische Hilfe. Die Soldaten, die immer noch in der Stadt sind, können momentan gar nicht erreicht werden. Keiner weiß, wie denen geholfen werden soll. 

ZEIT ONLINE: Ihr Freiwilligendienst ist lebensgefährlich. Warum machen Sie das?

Maciejczuk: Wir müssen doch der Ukraine helfen. Das Land muss sich verteidigen gegen die prorussischen Truppen. Unsere Regierungen haben Georgien 2008 nicht geholfen und jetzt gibt es keine richtige Hilfe für die Ukraine. Was kommt als Nächstes? Litauen? Estland? Polen? Für uns Polen ist die Ukraine sehr wichtig. Da kann man nicht einfach zuschauen.

ZEIT ONLINE: Wurden Sie auch in Kämpfe verwickelt?

Maciejczuk:  Ich war beim Flughafen von Donezk an der Frontlinie, im umkämpften Hangar. 16 Mal am Tag wurden wir vom Raketenwerfer beschossen mit diesen Grad-Raketen. Es war schrecklich. Einige der ukrainischen Soldaten starben durch diesen Beschuss. Wenn du diese Bomben über deinem Kopf explodieren hörst, bist du froh, danach noch am Leben zu sein. Ich habe viele Tote gesehen. Auch viele meiner Freunde sind in diesem Krieg gestorben.