Der Zyklon Pam hat im südpazifischen Inselstaat Vanuatu mindestens 24 Menschen getötet. Außerdem seien mindestens 3.300 Menschen obdachlos geworden, teilte das UN-Büro für die Koordination von Hilfseinsätzen mit. Sie würden in 37 Notunterkünften versorgt. Allerdings war weiter kein Kontakt zu entlegeneren Inseln des Archipels möglich, sodass das ganze Ausmaß der Schäden noch unklar war. 

Der Leiter des Büros der Hilfsorganisation Oxfam Port Vila, Colin Collett van Rooyan, schloss nicht aus, dass sogar mehr als ein Drittel der rund 250.000 Einwohner im ganzen Land obdachlos geworden seien könnten. Es gebe Berichte über "katastrophale Verwüstung auf den Inseln Erromango und Tanna im Süden, wo nicht aus Beton gebaute Gebäude komplett platt sind und die Betonbauten keine Dächer mehr haben", sagte van Rooyan.

Der Katastrophenschutz von Vanuatu beanspruchte alle verfügbaren Flugzeuge und Helikopter, um über die äußeren Inseln des Archipels zu fliegen und die Schäden abzuschätzen. Ein Bericht wird für Dienstagmorgen erwartet. Allerdings hätten neuseeländische und australische Rettungsteams aus der Luft bereits gesehen, dass große Teile des Inselstaates zerstört seien, berichtete der Leiter des Roten Kreuzes in Vanuatu, Hannington Alatoa.

Mindestens die Hälfte aller Einwohner, die 65 der mehr als 80 Inseln bewohnen, sei vom Zyklon betroffen, sagte Alatoa weiter. Die UN-Kinderhilfsorganisation Unicef schätzt, dass sich darunter mehr als 54.000 Kinder befinden.

Präsident Baldwin Lonsdale sagte, es würden Hilfsgüter wie Planen, Wasser, Bauwerkzeuge und Medizin gebraucht und bat um internationale Hilfe. Sein Land benötige auch langfristig Unterstützung, um die zerstörte Infrastruktur wieder aufzubauen. Australische und neuseeländische Hilfsorganisationen flogen bereits erste Hilfslieferungen ein, nachdem der Flughafen von Port Vila wieder geöffnet worden war. 

Klimawandel für die Verwüstung "mitverantwortlich"

Präsident Lonsdale gab dem Klimawandel eine Mitschuld an dem Zyklon. Die zunehmende Erderwärmung mache sich in Vanuatu bereits seit geraumer Zeit durch steigenden Meeresspiegel und Landverlust an den Küsten bemerkbar. Anwohner mussten bereits in höher gelegene Gebiete umgesiedelt werden. "In diesem Jahr hatten wir mehr Regen, die schweren Niederschläge der vergangenen Wochen waren weit mehr als das, was wir früher erlebt haben", sagte Lonsdale.

Auch der Präsident des Inselstaats Seychellen im Indischen Ozean, James Michel, sieht in dem verheerenden Zyklon "eine deutliche Demonstration des Klimawandels, der von manchen weiter geleugnet wird".  Er sagte: "Heute ist es der Südpazifik, morgen könnten wir es sein." Er frage sich daher, wann die internationale Gemeinschaft endlich "aufwachen und sich der Realität stellen" werde. Die Weltgemeinschaft müsse ein verbindliches Abkommen zur Verringerung der Klimaerwärmung vereinbaren.

Der Zyklon war am Samstag mit gewaltiger Kraft über den Archipel hinweggezogen. Er erreichte Windgeschwindigkeiten von bis zu 270 Kilometern pro Stunde und war damit einer der mächtigsten je gemessenen Zyklone.