Die tödlichen Schüsse auf einen unbewaffneten Afroamerikaner im US-Bundesstaat South Carolina treiben die Debatte um Körperkameras für Polizisten weiter an. "Anstatt sich auf Unbeteiligte zu verlassen, die Beweise für Unrecht liefern, sollte die Polizei die Verwendung von Körperkameras akzeptieren und beschleunigen", kommentierte die Washington Post den Fall. Eine Aufzeichnung der Situation in North Charleston hätte nicht nur die Ermittlungen des Falls erleichtert, sondern womöglich die tödlichen Schüsse verhindert.

Die US-Stadt hat bereits entsprechende Konsequenzen angekündigt. Bürgermeister Keith Summey sagte den Kauf von mehr als 100 Körperkameras für die Polizisten der Stadt zu und teilte zudem mit, dass der wegen Mordes angeklagte Schütze aus dem Polizeidienst entlassen wurde. Ein Passant hatte den Vorfall gefilmt und damit wichtiges Beweismaterial geliefert.

In den vergangenen Monaten hatten mehrere Fälle von tödlichen Schüssen auf Schwarze durch weiße Beamte eine Debatte über Rassismus und Polizeigewalt in den USA ausgelöst. Um Beamte im Einsatz besser zu kontrollieren und gleichzeitig Beweismaterial zu sichern, haben vielen US-Städte für ihre kommunalen Polizeidienste bereits Fahrzeugkameras angeschafft. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2013 haben landesweit etwa 25 Prozent der Polizeibehörden ihre Beamten auch mit Körperkameras ausgestattet.

Polizeigewalt sinkt mit Kameras laut Studie

Die Polizeigewerkschaften in den USA wehrten sich anders als früher kaum mehr gegen den zusätzlichen Kontrollmechanismus, sagte Chuck Wexler vom Institut für Polizeiforschung in Washington der New York Times. "Die Initiativen zur Anschaffung von Körperkameras werden unterstützt durch das Bewusstsein, dass viele Bürger heute mit ihren Telefonen selbst Videos aufnehmen können", sagte Wexler.

Auch David Harris, Polizei-Jurist an der University of Pittsburgh, bekräftigte: Unter den Ermittlungsbehörden setze sich die Erkenntnis durch, dass Kameras nützen können. "Wenn sich Polizisten nicht gerade wirklich schlecht benehmen, können diese Aufzeichnungen einen Beamten auch absichern", sagte Harris. Kameras würden einen Schutz vor unbegründeten Beschwerden von Bürgern bieten.

In der US-Stadt San Diego führt der Einsatz von Körperkameras einer Untersuchung zufolge zu weniger Bürgerbeschwerden und weniger Polizeigewalt, berichtete die Los Angeles Times kürzlich. Die Beschwerden seien um 40 Prozent, der Einsatz körperlicher Gewalt von Polizisten um 46 Prozent und der Gebrauch von Pfefferspray um 30 Prozent zurückgegangen. "Am Körper getragene Kameratechnologie ist ein Zugewinn sowohl für die Beamten als auch für die Gesellschaft", sagte der stellvertretende Polizeichef David Ramirez der Zeitung.