Eine große Mehrheit der Deutschen befürwortet eine schnellere Aufnahme von Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung sprechen sich 84 Prozent der Bundesbürger dafür aus. In derselben Umfrage äußerten 40 Prozent der Befragten allerdings auch die Meinung, dass Deutschland bereits jetzt an seine Belastungsgrenze bei der Aufnahme von Flüchtlingen stoße.

Die lange Ungewissheit in Asylverfahren verhindert der Studie zufolge die schnelle Eingliederung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Zwar habe die Bundesregierung die Residenzpflicht und das Arbeitsverbot für Asylbewerber auf drei Monate verkürzt. Während der Wartezeit aber bleibe der Weg in den Job versperrt. Arbeitgebern sei die Unsicherheit zu hoch, stellt Studienautor Professor Dietrich Thränhardt in der am heutigen Dienstag veröffentlichten Untersuchung fest.

Im Schnitt dauere das Verfahren im Bundesamt für Migration und Flüchtlingen (BAMF) 7,1 Monate. Eritreer mit einer hohen Quote bei der Anerkennung aber warteten schon im dritten Quartal 2014 im Durchschnitt 10,1 Monate, Afghanen 16,5 Monate und Pakistani sogar 17,6 Monate.

Viele Asylbescheide werden von Gerichten korrigiert

"Die Aufnahme von Flüchtlingen ist eine wichtige humanitäre Aufgabe", sagt Jörg Dräger vom Vorstand der Bertelsmann Stiftung. "Je erfolgreicher und schneller die Integration in den Arbeitsmarkt gelingt, desto eher können Bedenken entkräftet werden."

Die Studie empfiehlt der Politik mehrere Möglichkeiten, die Integration zu beschleunigen. Vorrang müsse haben, den Bearbeitungsstau bei den Asylverfahren aufzuheben. Die Autoren der Studie beklagen, dass dieser Stau in keinem anderen EU-Land so lang sei wie in Deutschland.

Bis Ende Februar 2015 sei die Zahl der offenen Anträge auf 243.820 angewachsen. Dräger begrüßt zwar die Ankündigung, dass das zuständige Bundesamt 2.000 zusätzliche Stellen bekommt. Die Qualität der Entscheidungen müsse aber auch verbessert werden. 13 Prozent der Asylbescheide würden von den Gerichten korrigiert.

Bereits während der Wartezeit sollten die Asylbewerber Deutsch lernen können, laut Studie ist das aber bislang nur in fünf Bundesländern möglich. Zusätzlich sollten Ausbildungsstand, Arbeitserfahrung und Berufsperspektiven erfasst und an die Bundesanstalt für Arbeit weitergereicht werden. So könne laut Studie spätestens nach drei Monaten die aktive Arbeitsvermittlung starten.