Während Barack Obama am Sonntag vor der internationalen Presse gesteht, die erste Herausforderung dieses G-7-Gipfels nicht gemeistert zu haben, sitzen zwölf Leute auf dem Mittelstreifen der Bundesstraße 2 in Richtung Elmau. Etwas mehr als zehn Kilometer sind es von ihrer Sitzblockade bis zum PR-Termin mit Obama, Merkel und Weißwürsten in der Nähe von Schloss Elmau. "I forgot to bring my Lederhosen", sagt der amerikanische Präsident dort, und fast zeitglich werden die Straßenbesetzer von Polizisten umstellt und aufgefordert, aufzustehen.

Die Diskussion mit den Kommunikationsbeamten dauert gut eine halbe Stunde, dann erheben sich sieben Aktivisten und laufen am linken Straßenrand auf die Bergwiese. Die übrigen fünf bleiben auf der Straße und leisten "passiven Widerstand", wie es im Polizeideutsch heißt. Sie sitzen solange mit ihren Hintern auf dem Bundesasphalt, bis sie von Polizeibeamten von der Straße getragen werden. Etwa 20 Meter weiter schauen Einheimische mit leichtem Kopfschütteln auf das sonderbare Treiben. Sie müssten eigentlich im angrenzenden Gasthaus Bergfrieden arbeiten.

Was das soll?

Am Ende des Tages werden die Anti-G-7-Demonstranten die Fünf-Mann-Sitzblockade als größeren Erfolg feiern als die Pressestelle des Weißen Hauses Obamas Lederhosen-Spruch. Immerhin haben die Aktivisten für mehr als eine Stunde den Verkehr zwischen Elmau und Garmisch-Patenkirchen unterbrochen. Deshalb mussten neben den Politikern auch die Journalisten mit Bundeswehr-Hubschraubern über die Mini-Blockade bis zum extra erbauten Biergarten in der Nähe des Schlosshotels Elmau geflogen werden. Es gehört ja zu den Eigenarten dieses Politikertreffens, dass sich das Pressezentrum in einem Eisstadion befindet, der Berichterstattungsort aber mehr als 18 Kilometer weit entfernt in einem Schloss ist.

Der Ort, in dem sich das Eisstadion befindet, heißt Garmisch-Partenkirchen. 26.000 Menschen leben hier normalerweise im Talkessel zwischen Wettersteingebirge, Ammergebirge und Estergebirge. Es ist fast egal, in welche Richtung man in Garmisch-Partenkirchen schaut, überall sieht man Gipfel. Vielleicht haben die bayerischen G-7-Organisatoren diese Stadt deshalb ausgesucht; der Ort ist das perfekte Sammelbehältnis für den G-7-Anhang. Die Interessen der Pressevertreter und der Anti-G-7-Demonstranten werden hier kumuliert und ein bisschen auch umgesetzt. Die Reporter sind nah genug dran, um bei Bedarf mit dem Heli eingeflogen zu werden. Die Demonstranten sind weit genug weg, um die Ruhe auf dem Schloss nicht zu stören.

Um die Idee vom Sammelbehältnis problemlos umzusetzen, braucht es noch eine dritte Gruppe: die Polizisten. In der Summe also: die Einheimischen, die gerade nicht im Urlaub sind, etwa 3.000 Journalisten, etwa 2.000 Demonstranten und etwa 20.000 Polizisten zusammen mit 230 Polizeihunden und 74 Polizeipferden.