Der starke Andrang von Flüchtlingen stellt die Bundespolizei offenbar vor Probleme. Wie die Gewerkschaft der Polizei (GdP) berichtet, schafft es die Bundespolizei seit Monaten nicht mehr, Fingerabdrücke von allen Personen zu speichern, die in der österreichisch-bayerischen Grenzregion bei der illegalen Einreise aufgegriffen werden. Dabei hatte ausgerechnet Bayerns Regierungschef Horst Seehofer (CSU) immer wieder Italien dafür kritisiert, nicht ausnahmslos Fingerabdrücke zu nehmen.

"Wir schätzen, dass seit Jahresanfang rund 45.000 unerlaubt eingereiste Personen nicht mehr erkennungsdienstlich behandelt wurden, obwohl dies im Asylverfahrensgesetz vorgeschrieben ist", sagte nun der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Jörg Radek. Die Praxis gehe auf eine mündliche Weisung des Bundespolizeipräsidiums Potsdam zurück.

Der Spiegel hatte zuvor berichtet, dass die Polizei an der bayerischen Grenze nicht mehr Fingerabdrücke von allen aufgegriffenen Flüchtlingen nimmt. Insbesondere in Passau sei man überfordert. Dort müssten eigentlich täglich bis zu 300 Flüchtlinge genau registriert werden.

Das Polizeipräsidium äußerte sich auf Anfrage nicht zur konkreten Praxis. Die steigenden Flüchtlingszahlen seien auch für die Bundespolizei eine Herausforderung, hieß es in einer Erklärung. Man führe "erkennungsdienstliche Maßnahmen nach den gesetzlichen Vorgaben durch, erforderlichenfalls mit Unterstützung anderer Behörden".