Sie singen, tanzen und halten Plakate in die Luft auf denen "UNFUCK GREECE" oder einfach "Freiheit" steht. Vor allem junge Menschen versammeln sich am späten Sonntagabend im Stadtzentrum Athens vor dem Parlament und feiern das mehrheitliche Oxi, das Nein der Griechen. Viele von ihnen tragen griechische Fahnen in der Hand und ein Lächeln im Gesicht. In der Luft liegt der Duft von Bier, Zigaretten, Grillfleisch und Hoffnung. Nur im einige Kilometer entfernten Stadtteil Exarchia, wo vor sieben Jahren ein Jugendlicher von einem Polizisten erschossen wurde, kommt es nachts zu Auseinandersetzungen zwischen Linksextremen und der Polizei.

Theodoris Papadopoulos sieht im Fernsehen, wie immer mehr Syriza-Anhänger auf den zentralen Syntagma-Platz laufen. Papadopoulos ist 51 Jahre alt, Mitglied von Tsipras' Partei, und für ihn ist dieser 5. Juli 2015 ein Feiertag. Am Freitagabend hat er für seinen Ministerpräsidenten während dessen letzten Auftritts vor der Abstimmung Wahlkampf gemacht. Er hat den Menschen immer wieder "Oxi" zugerufen und ihnen Infobroschüren verkauft. Jetzt, am Sonntagabend um 21:03 Uhr Ortszeit, als das Ergebnisse der Volksbefragung im Fernsehen verkündet wird, sitzt er in seinem Wohnzimmer, macht sich ein Bier auf und spürt Erleichterung. 

Papadopoulos glaubt, es dauere nun keine 48 Stunden mehr, bis sich seine Regierung mit den Geldgebern in Brüssel geeinigt hat. "Merkel hat doch gesagt, dass die Tür für uns Griechen offen bleibt", sagt er. Schon morgen oder übermorgen werden sich seiner Meinung nach die Kreditgeber mit Tsipras einigen: Griechenland habe zwar mit Nein gestimmt, aber es sage Ja zu Europa, sagt der Lehrer. Niemand will ihm in diesem Moment widersprechen, doch die Widersprüche und Ungewissheiten dieses historischen Tages kann im Moment auch niemand auflösen.