Der GKV-Spitzenverband und die Hebammen streiten um eine Liste mit Ausschlusskriterien. Die Krankenkassen wollen Hausgeburten unter bestimmten Umständen ausschließen, etwa wenn die Schwangere HIV-positiv ist. Wenn der errechnete Geburtstermin überschritten ist, verlangen die Kassen, dass ein Arzt oder eine Ärztin entscheidet, ob eine Hausgeburt noch möglich ist.  

Die Hebammenverbände wollen diese Ausschlusskriterien verhindern, sie seien nicht wissenschaftlich belegt. Ob eine Geburt außerhalb einer Klinik sicher ist, könnten sie nach wochenlanger Begleitung der Schwangeren besser entscheiden, als ein Arzt. Der Geburtstermin sei außerdem nur eine statistische Größe, sagen die Hebammen. Er werde in der Hälfte aller Fälle überschritten, ohne dass das zu Problemen führe. 

Hebammen im Geburtshaus, erwidert der GKV-Spitzenverband, seien sowieso bereits an die Ausschlusskriterien gebunden. Warum also nicht auch bei Hausgeburten? Allerdings gab es bisher einen Passus für die Geburtshäuser, der diese Kriterien einschränkte: "Die Wünsche der Versicherten sind bei der Entscheidungsfindung einzubeziehen sowie die Patientenrechte zu wahren." De facto hieß das: Auf Wunsch der Mutter war eine Geburt im Geburtshaus immer möglich. Dieser Passus soll jetzt auch wegfallen.

Dabei zeigt ein Qualitätsbericht, den der Spitzenverband selbst mit in Auftrag gegeben hat, dass Geburten in- und außerhalb von Kliniken ähnlich sicher sind: Bei Geburten zu Hause oder in Geburtshäusern tragen nicht mehr Kinder Schäden davon als in den Kliniken. Eine Geburt sei dann sicher, wenn eine eins-zu-eins-Betreuung gewährleistet ist. 

Viele Eltern jedenfalls wünschen sich die Kompetenz der Hebammen. Ihr Anliegen bringen sie mit einer Petition zum Ausdruck, die bereits über 170.000 Unterstützer fand. Am Montag übergaben sie die Petition dem GKV-Spitzenverband in Hamburg. Sie werfen dem Verband nicht nur Fehlinformationen über die geplanten Änderungen vor, sondern sogar Rechtsbruch. Sie sehen die Rechte des Kindes, das Selbstbestimmungsrecht der Frauen und das verfassungsrechtlich geschützte Berufsausübungsrecht der Hebammen gefährdet. Sie fordern, Hebammenleistungen unabhängig vom Geburtsort zu übernehmen.   

Österreich und die Niederlande haben eine Lösung

Zwar verfolgt niemand gezielt das Ende eines gesamten Berufsstandes, aber das Aus wird bisher auch nicht entschieden verhindert. Hebammen sind die Fachfrauen in Fragen der Geburtshilfe. Dass die Haftpflichtversicherung in den letzten Jahren derart gestiegen ist, zeigt nicht, dass sie schlecht arbeiten, sondern welche Verantwortung sie tragen. Wenn in den kommenden zwölf Monaten keine Lösung gefunden wird, gibt es bald keine Hebammen mehr in Deutschland. 

Die Maßnahmen des Gesundheitsministers sind ein Anfang, es wird nicht ausreichen, den Hebammen Zuschüsse zu zahlen. Was, wenn sich die Beiträge der Haftpflichtversicherungen nicht stabilisieren und immer weiter steigen? Denn die Aufforderung an die Krankenkassen, auf Regress zu verzichten, ist keine tragfähige Lösung. Sie unterliegt ihrem guten Willen.  

Ein anderer Vorschlag, der die Arbeit der Hebammen dauerhaft sichern könnte, liegt auf dem Tisch: Einen Haftpflichtfonds, wie es ihn bereits in Österreich und in den Niederlanden gibt, fordern Grüne und die Linkspartei. Hebammen bezahlen in Österreich eine Haftpflichtpauschale von 100 Euro im Jahr. Den Rest füllt der Staat auf. Die Geburtshilfe würde so als gesamtgesellschaftliche Aufgabe gewürdigt und vom Zwang der Wirtschaftlichkeit befreit.