Die Marine und die EU-Grenzschutzagentur Frontex melden neue Rekordzahlen für den Flüchtlingszustrom nach Griechenland. Allein in diesem Monat kamen mindestens 49.550 Migranten in Griechenland an – so viele wie im gesamten Vorjahr.

Insgesamt wurden laut Frontex bis Ende Juli fast 130.500 Migranten an den Außengrenzen Griechenlands entdeckt. Das sind fünfmal so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Nach den Worten des UN-Flüchtlingskommissars für Griechenland, Giorgos Tsarbopoulos, ist die Lage im Land dramatisch. Die Behörden und die Hilfsorganisationen seien überfordert, sagte er im griechischen Rundfunk.

Die EU-Kommission hat die Mitgliedstaaten darum ermahnt, versprochene technische Hilfe für Frontex in Griechenland und Ungarn bereitzustellen. Kommissionssprecherin Natasha Bertaud sagte, vor allem Flugzeuge, Streifenwagen und Personal würden benötigt, um in den beiden Ländern den Zustrom von Flüchtlingen bewältigen zu können.

Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten im April die Verdreifachung des Frontex-Budgets versprochen. Viele Länder leisteten aber nur für kurze Zeit technische Hilfe. Ohne diese komme Frontex aber nicht aus, sagte Bertaud.

Fünf mutmaßliche Schleuser gefasst

Auf dem Weg über das Mittelmeer nach Europa riskieren viele Menschen ihr Leben. Erst am Mittwoch hatte ein völlig überladenes Holzboot mit etwa 600 Menschen an Bord vor der libyschen Küste Schiffbruch erlitten. Während die Retter weiter nach Überlebenden suchen, hat die italienische Polizei fünf mutmaßliche Schleuser festgenommen. Ihnen werde mehrfacher Mord und Menschenschmuggel vorgeworfen, teilte die Polizei im sizilianischen Palermo mit.

Demnach gaben Überlebende an, dass die fünf Männer aus Algerien, Libyen und Tunesien rund 650 Menschen an Bord nahmen und für die Überfahrt pro Person zwischen 1.100 und 1.650 Euro verlangten. Einer habe das Boot gesteuert, zwei hätten ihn dabei unterstützt. Die übrigen zwei Männer sollen Flüchtlinge geschlagen und mit Messern angegriffen haben, um zu verhindern, dass sie den Frachtraum verlassen.

Noch immer werden nach Schätzungen etwa 200 der Passagiere des Flüchtlingsbootes vermisst.