Der emeritierte Bischof Geoffrey Robinson (78) hat schwere Vorwürfe gegen die katholische Kirche erhoben. Vor einer Untersuchungskommission in Sydney, die den Missbrauch Minderjähriger in der Kirche aufklären soll, äußerte er sich über das Verhalten Papst Johannes Pauls II.: "Von ihm kam dazu nur Schweigen, und die Bischöfe zeigten ihre Loyalität, indem sie auch schwiegen."

Die australischen Bischöfe seien sich des Problems seit Mitte der achtziger Jahre bewusst gewesen, berichtet die australische Zeitung The Sydney Morning Herold. Auch der ranghöchste Vertreter der katholischen Kirche in Australien, Kardinal George Pell, habe versagt. Pell hat oft bestritten, dass Missbrauch in der Kirche weit verbreitet war. Heute ist er im Vatikan für die Finanzen zuständig.    

Robinson sagte weiter, die Kirchenführung habe versagt, als die Fälle von Kindesmissbrauch in den 1990er Jahren bekannt wurden. Bei der Aufarbeitung der Fälle habe er um Unterstützung  innerhalb der Kirche gebeten, zunächst jedoch ohne Erfolg. 1994 gründete er mit anderen Bischöfen das Programm Towards Healing zur Aufklärung von Kindesmissbrauch.     

Aus Profilierungsdrang habe der damalige Kardinal George Pell jedoch ein eigenes Aufklärungsprogramm gestartet und so eine gemeinsame Aktion der australischen Bischöfe unterlaufen, sagte Robinson. Heute sei die Situation nicht besser. "Wir haben immer noch nicht die nötige Führung, auch nicht unter (Papst) Franziskus", sagte Robinson vor der Untersuchungskommission. Für die Opfer institutionellen Missbrauchs forderte er ein nationales Programm für Entschädigungszahlungen.