Das Bild Deutschlands ist gerade im Osten seit Monaten wesentlich durch Feindseligkeit und Gewalt gegen Ausländer geprägt. Das drückt sich gerade aus in rassistischen Ausschreitungen im sächsischen Heidenau, in brennenden Flüchtlingsunterkünften und den nicht enden wollenden Pegida-Demonstrationen. Und das Problem wird schlimmer. Woran könnte das liegen, und was wäre nötig, um diesem erschreckenden Phänomen erfolgreicher als bislang zu begegnen?   

Bei der Beantwortung könnten drei Erkenntnisse aus der Forschung über den Umgang mit Gewalttätern helfen, die bislang im öffentlichen Diskurs kaum vorkommen.     

1. Menschen neigen zu einem Verhalten, das ihnen Vorteile bringt. 
2. Verhaltensveränderungen sind folglich dann zu erreichen, wenn mit dieser Veränderung ein Nutzen verbunden ist. 
3. Aggressives Verhalten lässt sich auf Dauer nicht mit Gewalt, sondern nur durch Aufbau von Selbstwertgefühl und anderen positiven Ressourcen reduzieren.  

Menschen streben nach Vorteilen

Die Orientierung unseres Verhaltens am Nutzen ist selten das Ergebnis einer rationalen Abwägung. Unbewusst neigen wir dazu, uns so zu verhalten, dass es uns Vorteile bringt. Wer also profitiert, gewollt oder ungewollt, von rechter Gewalt?  

Zunächst sind es die rechten Hetzer und Gewalttäter selbst: Sie leben ihre Ängste und Aggressionen auf Kosten anderer Menschen aus. Sie tun das dort, wo es für sie am "billigsten" ist. Aus der Forschung ist bekannt, dass sich Wut und Aggressionen vor allem dort entladen, wo das geringste Risiko gegeben ist. Gewalttäter suchen sich in aller Regel keine Gegner, sondern Opfer. Und zwar Opfer, für die sie sich am wenigsten rechtfertigen müssen, vor sich selbst und anderen. Deshalb schlagen manche Eltern ihre Kinder, mit der Begründung, dies diene letztlich deren Wohl.   

Diese psychosozialen Mechanismen sind auch bei Gewalt gegenüber Ausländern zu beobachten. Flüchtlinge werden vor allem deshalb ausgewählt, weil sie vergleichsweise schutzlose Opfer sind und weil Gewalt gegen sie in einer rechten Ideologie sich selbst und anderen gegenüber als eine Art "Notwehr" begründet werden kann. Derartige Gewalt hat also ihren Ursprung meist gerade nicht in einer real empfundenen Sorge und in wirklichem Hass auf Ausländer.      

Es gibt neben den Rechten selbst aber auch viele mittelbare Nutznießer, die ebenso einbezogen werden müssen. Die Politik jenseits der Rechten profitiert, so paradox es erscheinen mag, in erheblichem Umfang von rechter Gewalt. Wenn auch sicherlich, ohne es zu wollen. Für Parteien außerhalb der Regierungsverantwortung ist es vergleichsweise leicht, politisch gegen Rechtsradikale zu punkten. Es ist leicht, das Verhalten der Rechten als unmenschlich zu entlarven. Die gedankliche und argumentative Arbeit, die dafür geleistet werden musste, ist allerdings längst erbracht, ohne dass sich damit etwas zum Besseren gewendet hätte.   

Dass es unerlässlich ist, Flüchtlinge vor Gewalt zu schützen und ihnen menschenwürdige Lebensbedingungen bei uns zu ermöglichen, steht außer Frage. Auch ist es wichtig, Solidarität mit ihnen zu zeigen, sich auch öffentlich gegen rechte Stimmungsmache zu positionieren und über rechte Gewalt in den Medien zu berichten. Doch wenn man bedenkt, dass die Ursache für die Gewalt nicht die rassistische Überzeugung der Täter ist, sondern ihre Frustration, dann greift auch die Rhetorik gegen rechts zu kurz. 

Menschen ändern ihr Verhalten nur, wenn sie Vorteile sehen

Als Gesellschaft werden wir einen wirklich menschenwürdigen und vernünftigen Umgang mit Flüchtlingen und Ausländern nicht erreichen, wenn wir nur auf Empathie und Nächstenliebe abstellen. Es muss viel stärker Teil des öffentlichen und politischen Diskurses werden, welchen Vorteil es für uns hätte, auf Gewalt und Stimmungsmache gegen Flüchtlinge zu verzichten und mit ihnen besser umzugehen.