Die deutsche Gesellschaft wird durch die Zuwanderung weniger schnell altern und langsamer schrumpfen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des ifo-Instituts. Ohne Migranten würde die Bevölkerungszahl bis zum Jahr 2030 demnach auf rund 75,5 Millionen sinken. Das wären  5,7 Millionen Menschen weniger als 2014. 

Mit einer moderaten Zuwanderung von etwa 200.000 Menschen pro Jahr würde die Zahl laut der Studie nur um etwa 300.000 auf 80,9 Millionen sinken. Nicht berücksichtigt sind die Auswirkungen der aktuell hohen Flüchtlingszahlen.

Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung wird sich in jedem Fall erhöhen. Durch einen moderaten Zuzug würde er sich um knapp zehn Prozent auf 30 Prozent im Jahr 2030 erhöhen. Auch ohne Zuzug wird der Anteil den ifo-Statistiken zufolge wegen der erhöhten Geburtenrate um knapp vier Prozent auf 24,4 Prozent wachsen.

Herkunftsländer werden diverser

Die Herkunft der Zuwanderer wird der Untersuchung zufolge immer diverser. Noch vor 15 Jahren stellten die vier wichtigsten Herkunftsländer, die Türkei, Ex-Jugoslawien, Italien und Griechenland, "mehr als die Hälfte der Ausländer in Westdeutschland", sagte Studienleiter Marcel Thum. Heute komme die Hälfte der Zuwanderer aus acht Ländern: der Türkei, Polen, Italien, Rumänien, Griechenland, Kroatien, Russland und Serbien. Insgesamt seien 2013 64 Prozent der Zugezogenen aus einem EU-Land, 13 Prozent aus anderen Teilen Europas und 23 Prozent aus dem Rest der Welt gekommen.

Mit der Entwicklung sehen die Autoren der Studie viele Vorteile für Deutschland verbunden. "Deutschland hat die Zahl von ausländischen Studierenden in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Wenn es uns gelingt, diese Gruppe nach Studienabschluss zu halten, ist das auch ein Gewinn für die deutschen Steuer- und Sozialsysteme", nannte Thum ein Beispiel. Zugleich bedeute sie auch Herausforderungen, etwa im Gesundheitsbereich. Der Studie zufolge wird der Anteil der pflegebedürftigen Menschen mit Migrationshintergrund von 9,8 Prozent 2013 auf 13,6 Prozent im Jahr 2030 steigen. "Diese Personen benötigen vermehrt eine ihrem kulturellen Hintergrund entsprechende Unterstützung", sagt Mitautorin Gesine Marquardt von der TU Dresden.