Papst Franziskus hat den Opfern sexuellen Missbrauchs durch Geistliche versprochen, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Sexueller Missbrauch könne nicht länger ein Geheimnis bleiben, sagte der 78-Jährige am letzten Tag seiner USA-Reise. Mit einer Messe vor Hunderttausenden Menschen in Philadelphia beendete Franziskus am Sonntag seine sechstägige USA-Reise. Er sagte seinen Zuhörern am Benjamin Franklin Parkway, ihre Anwesenheit selbst sei in der heutigen Welt eine Art Wunder, eine Bestätigung der Familie und der Kraft der Liebe.

"Ich beklage zutiefst, dass einige Bischöfe nicht ihrer Verantwortung nachkamen, Minderjährige zu schützen", erklärte er bei einem Treffen mit fünf Missbrauchsopfern in Philadelphia. Es sei "sehr beunruhigend zu wissen, dass in einigen Fällen auch Bischöfe selbst Missbrauchstäter" gewesen seien, so der Papst laut einer vom Vatikan veröffentlichten Mitteilung.

Bei einem Treffen mit 300 Bischöfen aus aller Welt sagte Franziskus anschließend: "Die Verbrechen, die Sünden des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen dürfen nicht länger geheim gehalten werden." Er bleibe "überwältigt von Scham" über solche Fälle, so der Papst. "Gott weint!"

Eigenes Gericht für vertuschte Missbrauchsfälle

Der Papst hatte im Juni im Vatikan ein eigenes Gericht für Bischöfe eingerichtet, die sexuellen Missbrauch vertuschen. Damit machte er eine Ausnahme vom geltenden Kirchenrecht. Demnach sind Bischöfe in strafrechtlichen Angelegenheiten allein dem Papst verantwortlich.

Es war das zweite Mal, dass Franziskus mit Missbrauchsopfern zusammentraf. Die Begegnung im Priesterseminar von Philadelphia fand jenseits des offiziellen Besuchsprogramms statt und war nicht angekündigt. Die erste derartige Begegnung fand im Juli 2014 im Vatikan statt.

Am Sonntagabend verließ Franziskus Philadelphia Richtung Rom. Der Papst hatte in den Tagen zuvor in Washington und New York für Begeisterungsstürme unter Gläubigen und Schaulustigen gesorgt, in Reden vor dem US-Kongress und den Vereinten Nationen für Menschlichkeit im Umgang mit Flüchtlingen und für den Umweltschutz geworben, und beim Welttreffen der Familien in Philadelphia traditionelle christliche Werte beschworen.

Papst kritisiert lebenslange Haftstrafen und Isolationshaft

Bei seinem Besuch im größten Gefängnis in Philadelphia sagte er vor rund 100 Insassen, alle müssten sich darum bemühen, bei der Wiedereingliederung von Häftlingen in die Gesellschaft zu helfen. Die Reise des Lebens beinhalte, dass man auch schmutzige Füße bekomme und jeder sie waschen müsse. Er forderte die Häftlinge auf, ihr Leben wieder auf Kurs zu bringen. Dann umarmte er zwei von ihnen.

Zudem bedankte er sich bei ihnen für einen hölzernen Stuhl, den sie extra für ihn hergestellt hatten. Franziskus hatte ein Gefängnissystem kritisiert, das nur bestraft und demütigt. Er hatte zudem lebenslange Strafen und Isolationshaft als Form der Folter angeprangert.