Kardinal Reinhard Marx hat vor der Bischofssynode im Vatikan dafür plädiert, wiederverheiratete Geschiedene unter bestimmten Voraussetzungen in Einzelfällen wieder zur Kommunion zuzulassen. Es sei Aufgabe der Kirche, "die Wunden, die das Zerbrechen einer Ehe und die Trennung der Partner geschlagen habe, zu heilen", heißt es in dem von der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn veröffentlichten Beitrag des Münchner Erzbischofs .

Für viele Gläubige sei dies eine Frage der Glaubwürdigkeit der Kirche, so Marx. Sie könnten nicht verstehen, wie Menschen, die sich nach einer kirchlichen Hochzeit scheiden lassen und zivil ein zweites Mal heiraten, einerseits zur vollen Gemeinschaft der Kirche gehören sollen, wenn sie andererseits aus kirchlicher Sicht im Zustand der "schweren Sünde" lebten. Deshalb solle die Synode auf der theologischen Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ernsthaft die Möglichkeit prüfen, wiederverheiratete Geschiedene wieder zu den Sakramenten zuzulassen.

Insgesamt mahnte Marx eine "differenzierte Betrachtung" der verschiedenen Lebenssituationen an und warnte die Kirche vor einem "moralischen Perfektionismus". "Es ist meist nicht der erhobene Zeigefinger, sondern die ausgestreckte Hand, die Menschen motiviert, auf dem Weg der Heiligung voranzuschreiten."

Die Bischofssynode kommt vom 4. bis 25. Oktober 2015 zum Thema "Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute" in Rom zusammen. Insgesamt nehmen rund 270 Patriarchen, Kardinäle und Bischöfe an der Synode teil.