Die Fluggesellschaften des Lufthansa-Konzerns fliegen bis auf Weiteres die Sinaihalbinsel nicht mehr an. Aufgrund der aktuellen Situation stellen die Airlines der Lufthansa-Gruppe den Flugbetrieb in die Region ein, wie Europas größte Fluggesellschaft mitteilte.

Ursprünglich geplant gewesen seien zwei wöchentliche Flüge der Gesellschaften Edelweiss und Eurowings nach Scharm el-Scheich. Lufthansa-Maschinen fliegen den Badeort sowieso nicht an. Die ägyptische Hauptstadt Kairo werde weiterhin angeflogen und sei von diesen Maßnahmen nicht betroffen, hieß es. Auch Air Berlin fliegt den Ort nicht mehr an. Ob ein für kommenden Samstag geplanter Flug der Partnergesellschaft Niki stattfindet, werde derzeit geprüft.

Bereits seit dem vergangenen Samstag umfliegen die Fluggesellschaften des Konzerns den Sinai, wo ein russisches Passagierflugzeug mit 224 Menschen an Bord abgestürzt war.

Mehrere Länder, darunter Irland und Großbritannien haben ihre Flüge in die Region gestoppt und organisieren Notfallmaßnahmen, um ihre Bürger nach Hause zu fliegen. Es würden Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen organisiert, sagte der britische Außenminister Philip Hammond der BBC. Dazu gehöre, dass alles, was in die Maschinen gelange, durchleuchtet werde und die Flugzeuge selbst genau überprüft würden.

Großbritanniens Regierung bekräftigte, sie halte es für immer wahrscheinlicher, dass Terroristen für den Absturz des Airbus A321 der sibirischen Airline Kolavia verantwortlich seien. Auch die USA gehen von einem Anschlag aus. Ein Kremlsprecher sagte, Russland schließe weiter keine Absturzursache aus. "Hypothetische Überlegungen" über einen möglichen Anschlag seien aber "unpassend". Russland lässt die Halbinsel nach wie vor anfliegen.

Kremlchef Putin beriet mit Großbritanniens Regierungschef David Cameron über das Unglück. Es sei wichtig, bei der Bewertung der Ereignisse die aktuellen Ermittlungsergebnisse zu berücksichtigen, sagte Putin.

Video ausgewertet

Auch die Regierung in Kairo wies die Vermutungen über einen Anschlag zurück: Die Ermittler hätten dafür bisher keine Belege gefunden, sagte der ägyptische Minister für zivile Luftfahrt, Hussam Kamal. Die betroffene Fluggesellschaft Metrojet schloss einen technischen Defekt an dem Airbus aus.

Die deutschen Sicherheitsbehörden prüfen ein Video, das möglicherweise einen Terroranschlag zeigt. Auf dem Youtube-Film ist eine Explosion zu sehen. Anschließend stürzt eine brennende Maschine zu Boden. Das Video sei im Gemeinsamen Internetzentrum (GIZ) der Ermittlungsbehörden betrachtet worden, teilte eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes mit. Eine Aussage, ob es tatsächlich den Absturz der russischen Maschine am vergangenen Samstag zeigt, könne vom BKA nicht getroffen werden. Eine Auswertung von ZEIT ONLINE ergab, dass es wenig aussagekräftig ist

Das Video ist mit einem Logo eines ägyptischen Ablegers der Terrormiliz "Islamischer Staat" versehen. In einer Audiobotschaft hatte sich der IS bereits zu einem Anschlag auf das Flugzeug bekannt. In der Ansprache wies der IS-Redner zudem darauf hin, dass sich der Absturz des Jets am Jahrestag des Anschluss der Sinai-Gruppe an den IS ereignet habe.

Die Daten eines Flugschreibers sind bereits ausgewertet worden, Ergebnisse gaben die Ermittler bisher nicht bekannt. Der Stimmenrekorder sei beschädigt, hieß es.   

In diesem Video sehen Sie die britische Reaktion auf das Flugzeugunglück und die Spekulationen über einen möglichen Bombenanschlag: