Als Reaktion auf einen Anschlag auf die tunesische Präsidentengarde hat Staatspräsident Béji Caïd Essebsi am Abend den Ausnahmezustand über das ganze Land und eine Ausgangssperre für den Großraum Tunis verhängt. "Angesichts dieses schmerzhaften Ereignisses, dieser großen Tragödie, verhänge ich für 30 Tage den Ausnahmezustand und eine nächtliche Ausgangssperre für Tunis", erklärte Staatschef Essebsi.

Bei einer Explosion in einem Bus mit Wachleuten des tunesischen Präsidenten sind mindestens zwölf Menschen getötet worden. Dies bestätigte das Innenministerium. Die Detonation ereignete sich demnach auf einer Hauptstraße im Zentrum der Hauptstadt Tunis. Mindestens 16 Menschen wurden dabei verletzt, wie Ministeriumssprecher Walid Louguini sagte.

Die Explosion ereignete sich am Nachmittag in der Nähe der Avenue Mohamed V., einer der belebtesten Straßen der tunesischen Hauptstadt. Die meisten Todesopfer seien Mitglieder der Präsidentengarde, die in dem Bus unterwegs waren, sagte ein Mitarbeiter der Sicherheitsdienste. Der Sprecher des Präsidialamtes, Moez Sinaoui, sagte, es handle sich um einen "Anschlag". Erst vor zehn Tagen hatten die tunesischen Behörden vor neuen Anschlägen gewarnt und die Sicherheitsmaßnahmen verschärft.

Zu der Tat im Zentrum der Hauptstadt bekannte sich bisher niemand. In Tunesien wurden jedoch in diesem Jahr bereits zwei schwere Anschläge auf Touristen verübt, zu denen sich in beiden Fällen die radikalislamische IS-Miliz bekannt hat: im März auf das Nationalmuseum Bardo in Tunis und im Juni auf ein Strandhotel in Sousse. Bei beiden Attacken wurden 58 ausländische Touristen getötet.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilte die Attacke. "Dieser Anschlag gegen Angehörige der tunesischen Sicherheitskräfte ist ein erneuter Angriff auf die Stabilität des tunesischen Gemeinwesens und seine demokratische Verfassung", erklärte er in Berlin. "Uns bestärkt das nur darin, Tunesiens Stabilität und Sicherheit weiter nach Kräften zu unterstützen." Frankreichs Staatschef François Hollande verurteilte bei seinem Besuch in Washington "mit größter Entschlossenheit diesen feigen Anschlag".

Tunesien ist das Geburtsland des sogenannten arabischen Frühlings und ist das einzige Land in der arabischen Welt, in dem die Demokratieproteste in bedeutende politische Reformen mündeten.