Ein mutmaßlicher Islamist aus Deutschland ist nach Informationen des Spiegel im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen zur Fahndung ausgeschrieben. Es handele sich um Hüseyin D. aus Dinslaken, berichtet das Magazin. Auf einer insgesamt 16 Personen umfassenden Liste der "vorrangigen Fahndungen" seitens der deutschen Behörden stehe D. an letzter Stelle. Nummer eins ist demnach der Bruder eines der Selbstmordattentäter von Paris, Salah Abdeslam.

Eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes sagte, zu laufenden Ermittlungen und Fahndungsmaßnahmen nehme die Behörde keine Stellung. Laut Spiegel gehört der 42-jährige D. zur sogenannten Lohberger Brigade. Die Islamistengruppe aus dem Dinslakener Stadtteil Lohberg war 2013 in den Bürgerkrieg nach Syrien gezogen. Dort sollen die Mitglieder engen Kontakt zum mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge in Paris, Abdelhamid Abaaoud, gehabt haben. Dem Bericht zufolge vermuten die Behörden D. derzeit in der Türkei. Er ist demnach im gesamten Schengen-Raum zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben.

Bei den Pariser Anschlägen am 13. November waren 130 Menschen getötet und mehr als 350 weitere verletzt worden. Mehrere Attentäter, die teils aus Belgien gekommen waren, hatten in Pariser Cafés, Restaurants und im Konzertsaal Bataclan sowie vor der Fußballarena Stade de France wahllos auf Menschen geschossen oder sich selbst in die Luft gesprengt.

In der Weste des DFB

Vier Tage nach den Anschlägen in Paris war in Hannover das Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande wegen konkreter Hinweise auf einen Sprengstoffanschlag kurzfristig abgesagt worden. Nach der Spielabsage sollen Ermittler laut Spiegel ein verdächtiges Video entdeckt haben, das am Abend des 17. November im Stadion aufgenommen wurde. Der etwa zehn Sekunden lange Clip zeigt demnach einen jungen Mann in der Ordnerweste des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der im bereits geräumten Stadion mehrere Sätze mit einem möglichen Bezug zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gesprochen haben soll.

Das Video wurde laut Spiegel zwei Tage nach der Spielabsage im Internet veröffentlicht – neben einem weiteren Clip, der vor dem Stadion aufgenommen wurde. Urheber soll ein 19-jähriger Schüler aus Hannover sein. Die Bundesanwaltschaft habe die Wohnung des Schülers durchsuchen lassen, er blieb allerdings auf freiem Fuß. Auf Anfrage teilte die Karlsruher Behörde mit, der Verdacht, der Junge sei an Planungen für einen Terroranschlag beteiligt gewesen, habe sich bislang "nicht erhärten lassen". Die Beweismittel würden noch ausgewertet.

Mittlerweile hat auch Marokko Haftbefehle gegen die mutmaßlichen Attentäter von Paris, Salah Abdeslam und Mohamed Abrini, erlassen. Die Behörden befürchten, dass beide in das nordafrikanische Land geflüchtet sind. Die Menschen im Land seien aufgerufen worden, den Sicherheitskräften sämtliche Informationen über die Verdächtigen zu übermitteln. Nach beiden Männern wird bereits mit internationalem Haftbefehl wegen ihrer Beteiligung an den Anschlägen von Paris gesucht.