Erneut haben Unbekannte einen Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft verübt. In der Kleinstadt Schlettau im Erzgebirge warfen die Täter in der Nacht zu Samstag vier Brandsätze in das Gebäude, wie ein Polizeisprecher in Chemnitz mitteilte. Verletzt wurde niemand. Die Brandsätze seien erloschen, ohne einen Schaden zu verursachen.

Ein auf dem Dach gelandetes Geschoss habe jedoch einen Brand verursacht. Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes hätten das Feuer frühzeitig erkannt und erstickt. Der Sachschaden sei gering. Das Haus war noch nicht bewohnt, soll jedoch künftig als Asylbewerberunterkunft genutzt werden.

Einen weiteren Anschlag gab es in Dresden. Im Stadtteil Stetzsch warfen Unbekannte am Samstagmorgen laut Polizeiangaben einen vermutlich illegalen Böller in den Windfang eines Flüchtlingswohnheims. Mehrere Scheiben seien zu Bruch gegangen, auch hier sei jedoch niemand verletzt worden.

Recherchen von ZEIT ONLINE und ZEIT hatten Anfang Dezember offengelegt, dass die Aufklärungsquote bei solchen Taten verschwindend gering ist: Ein Rechercheteam trug 222 Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und tätliche Angriffe an solchen Wohneinrichtungen zusammen und prüfte sie. In nur 41 Fällen identifizierten die Ermittler demnach Verdächtige, in acht Fällen klagte die Staatsanwaltschaft Beschuldigte an. In nur vier Fällen wurde ein Urteil gesprochen. Aus der Statistik des Bundeskriminalamts, die in diesem Zeitraum 747 Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte aufgelistet hatte, hatte das Team alle kleineren Delikte aussortiert, darunter Schmierereien, Propagandadelikte und Pöbeleien.

Die Zahl all solcher Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte hat sich in Deutschland dieses Jahr im Vergleich zu 2014 bereits mehr als vervierfacht. Bis Anfang Dezember zählte die Polizei nach Angaben des Bundeskriminalamts 817 Delikte. Darunter sind 130 Gewalttaten – weniger als von ZEIT ONLINE und ZEIT ermittelt. Das kann auch daher rühren, dass der Bundesbehörde noch nicht alle Zahlen aus den Bundesländern vorliegen. Die Ermittlung von Tätern ist Sache der Landespolizeien und Staatsanwaltschaften.