Eine freiwillige Helferin aus Kreuzberg strahlt: Die Wohnung sei blitzblank, alle Vorbereitungen fürs Fest erledigt. "Warum also nicht herkommen?" Und am Nachmittag stehen plötzlich zehn junge Männer vor der Security. Sie seien selbst Flüchtlinge, aber bereits untergebracht. Und nun wollten sie etwas helfen. "Wir können alles machen", sagt einer. "Sachen tragen, dolmetschen." Einige von ihnen tragen nur Flipflops an den Füßen.

Es sind längst nicht nur die Flüchtlinge, um die sich die Helfer kümmern müssen. Irgendwann steht ein alter Mann im dunklen Mantel vor dem Eingang und stützt sich auf seinen Stock. Er ist baff. Und dann wütend. Seit 47 Jahren wohne er hier, und niemand habe ihm Bescheid gesagt!

Sofort ist eine junge DRK-Uniformierte bei ihm. Sie weiß, was sie sagen muss, als er sich immer mehr hineinsteigert in haarsträubende Angstbilder: Nein, er müsse sich keine Sorgen um sein Immunsystem machen. "Die Menschen sind so lange gelaufen, das übersteht doch kein Keim." Man merkt ihr an, dass sie sich nur ungern auf diese Art von Gespräch einlässt, aber sie tut es, und irgendwann fällt dem Alten nichts mehr ein.

"Merry Christmas, Germany!"

Gegen 16 Uhr sind 180 Flüchtlinge eingezogen. Ungefähr noch mal so viele sollen an diesem Tag noch kommen. In der Lobby, die am Morgen noch wie eine Lobby aussah, stapeln sich Sofas und Kaffeebecher, Menschen und Gepäck. Später am Abend blinken noch immer die Reflektoren an DRK-Jacken auf dem Bürgersteig der Stresemannstraße. Sie wollen alles schaffen, damit sie morgen in Ruhe Weihnachten feiern können. Es wird aber eine Rufbereitschaft geben über die Feiertage – ehrenamtlich, versteht sich.

Währenddessen sitzen drei Brüder aus Syrien auf den Bierbänken, alle noch Teenager. Sie halten jeder einen Rucksack in der Hand und blicken auf den Hoteleingang wie gerade Tausende andere Kinder in Berlin auf die Wohnzimmertür, hinter der sie ihre Geschenke erahnen. Weihnachten feierten sie als Muslime nicht, sagen die Brüder. Aber sie seien sehr glücklich, jetzt hier wohnen zu dürfen. Sie können kaum Englisch. Aber zum Abschied ruft einer von ihnen "Merry Christmas, Germany!"