Der letzte Menschenaffe in einem deutschen Zirkus wird auch in Zukunft noch auf dem Tretroller durch die Manege fahren. Der niedersächsische Landkreis Celle hatte im Oktober aus Tierschutzgründen angeordnet, den Schimpansen Robby aus dem Zirkus in eine Auffangstation zu bringen. Bislang hatten das Ausnahmeregeln verhindert. Gegen die Entscheidung wehrten sich Robbys Besitzer vor Gericht und setzten sich jetzt durch. Im Interview erzählt Zirkusdirektor Klaus Köhler von seinem Verhältnis zu dem Affen.

ZEIT ONLINE: Herr Köhler, wie haben Sie auf die Entscheidung des Gerichts reagiert?

Klaus Köhler: Das ist für uns das größte Weihnachtsgeschenk. Robby ist jetzt 44 Jahre alt und gemeinsam mit meinen Kindern groß geworden. Er hat mit uns am Tisch gesessen, alle haben ihr Glas Milch getrunken und Robby hat dazu seine Banane gegessen. Er gehört hier zu uns.

ZEIT ONLINE: Tierschützer aber sagen, dass eine artgerechte Haltung von Robby im Zirkus unmöglich sei und dass ihm Artgenossen fehlten.

Köhler: Robby ist gut untergebracht. Wir beschäftigen uns vier Stunden täglich mit ihm. Ihm fehlt es an gar nichts. Sein Kumpel ist unser Hund Ted, sie spielen zusammen. Würde Robby sich nicht wohlfühlen, hätte er nie so ein hohes Alter erreicht.

ZEIT ONLINE: Trotzdem gibt es Proteste …

Köhler: Einer dieser Tierschützer hat Robby mal als Clown bezeichnet. Da frage ich mich: Hat dieser Mensch keinen Respekt vor dem Tier?

ZEIT ONLINE: In den Zirkusvorstellungen trägt Robby Menschenkleidung und fährt auf einem Tretroller. Wird er so nicht vorgeführt?

Köhler: Er ist ein Showmensch und ein Künstler – kein Clown. Er kommt in die Manege und präsentiert dort seine Kunst.

ZEIT ONLINE: Wenn das Gericht anders entschieden hätte, wäre Robby in eine Auffangstation gekommen und hätte dort mit anderen Affen gelebt. Wäre das nicht das Beste für ihn?

Köhler: Robby ist von Menschen großgezogen worden, er ist dadurch selbst sehr menschlich. Man sieht das, sobald Besuch kommt. Besonders mit den Damen kommt er gut zurecht. Denen streichelt er über den Kopf und will sie lausen. Man kann Robby nicht einfach woanders hinbringen und da resozialisieren, das würde nicht funktionieren, weil er gar keine anderen Affen kennt. Auch wenn da Artgenossen wären, wäre Robby einsam.

ZEIT ONLINE: Robby ist der letzte Schimpanse, der in einem deutschen Zirkus lebt. Wenn Sie die Gelegenheit bekämen, würden Sie noch mal einen Affen in Ihrem Zirkus aufnehmen?

Köhler: Ich bin 67 Jahre alt, in meinem Alter kann man kein Kind und auch keinen Affen mehr großziehen. Trotzdem bleibt die Frage: Was wäre, wenn die Mutter das Jungtier nicht annimmt? Soll das dann verrecken oder sollte man es dort rausnehmen und großziehen? Wäre ich nicht überzeugt, dass man das Tier retten müsste, wäre ich kein Tierfreund.