Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR kann bislang nicht bestätigen, dass mehr als 400 Menschen im Mittelmeer auf der Überfahrt nach Italien ertrunken sind. Der arabische Dienst der BBC hatte am Montag unter Berufung auf Überlebende berichtet, dass ein in Libyen gestartetes Boot mit Flüchtenden aus Somalia, Eritrea und Äthiopien gekentert sei und mehrere Hundert Flüchtlinge zu Tode gekommen seien. Zuvor hieß es, das Boot sei in Ägypten gestartet.

Der für Europa zuständige UNHCR-Sprecher sagte dem Tagesspiegel und anderen Medien, der italienischen Küstenwache lägen keine Kenntnisse über gekenterte Boote im Zusammenhang mit der jüngsten Havarie vor. Auch die griechische Küstenwache habe den UNHCR-Angaben zufolge keine Angaben über Überlebende gemacht, die nach Griechenland gebracht worden seien.

Wo genau sich die Katastrophe ereignet haben soll und ob ein oder mehrere Boote betroffen waren, war ebenso unklar wie die genaue Zahl der Opfer. Auch zu den Umständen des Unglücks gab es keine präzisen Angaben.


Obwohl die Bestätigung für das Bootsunglück fehlte, hatten sich bereits mehrere europäische Politiker geäußert. Es habe sich eine Tragödie auf See ereignet, bei der offenbar mehrere Hundert Menschen ums Leben gekommen seien, sagte Italiens Präsident Sergio Mattarella. Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte am Rande des EU-Außenministertreffens in Luxemburg, nach seinen Informationen seien bei dem Versuch einer Überfahrt mehr als 300 Menschen ums Leben gekommen. Ein Sprecher wies jedoch ausdrücklich darauf hin, dass diese Informationen noch nicht bestätigt seien.

Verwirrung über Start in Libyen oder Ägypten

Der somalische Regierungssprecher Abdisalan Aato sagte in der Hauptstadt Mogadischu, auf den verunglückten Booten seien rund 500 Migranten gewesen. "Unseren Informationen zufolge sind viele Somalier in dieser Tragödie ums Leben gekommen." Auch der somalische Staatspräsident Hassan Sheik Mohamud erklärte, viele der Menschen an Bord seien nach Berichten bei dem Unglück umgekommen.

Der staatliche Rundfunk meldete das Unglück unter Berufung auf den somalischen Botschafter in Ägypten. Die somalische Nachrichtenseite Goobjoog News brachte ein Interview mit einem jungen Mann namens Awale Warsame, der sich als Überlebender bezeichnete: "500 Menschen waren auf dem Boot, vor allem Somalier, aber nur 23 Menschen überlebten", sagte er. Die Überlebenden hätten sich mithilfe von Holzplanken des gekenterten Boots gerettet. Die Menschen seien am 7. April von Ägypten aus aufgebrochen. Das Boot sei am 12. April gekentert. Die Überlebenden seien fünf Tage später von einem philippinischen Schiff aufgenommen worden, sagte der junge Mann.

Die verunglückten Menschen waren nach Angaben des italienischen Außenministers in Ägypten aufgebrochen. Somalische Behörden erklärten, der Funkkontakt sei einen Tag nach dem Verlassen Ägyptens abgebrochen. Das ägyptische Außenministerium sagte, dass es keine Informationen habe und die Medienberichte prüfe.

Laut aktuellen Zahlen der Internationalen Organisation für Migration haben in diesem Jahr bislang 177.207 Menschen versucht, Europa über das Mittelmeer zu erreichen. Dabei kamen 732 Menschen zu Tode.

Vor genau einem Jahr hatte es ein folgenreiches Unglück im Mittelmeer gegeben. Hunderte wurden vermisst, nachdem ein in Libyen abgelegtes Boot mit Hunderten Passagieren gekentert war, wenige Tage später starben weitere 700 Menschen im Mittelmeer. Auch damals konnten nur wenige gerettet werden. Im Oktober 2013 ertranken fast 400 Menschen vor der italienischen Insel Lampedusa.

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