Im Streit um die Erdoğan-Satire hat Jan Böhmermann sein Schweigen gebrochen. Er kündigte auf seiner Facebook-Seite an, "eine kleine Fernsehpause" einzulegen. Öffentlichkeit und Internet sollten sich "mal wieder auf die wirklich wichtigen Dinge wie die Flüchtlingskrise, Katzenvideos oder das Liebesleben von Sophia Thomalla konzentrieren", schrieb Böhmermann in satirischem Ton. "Denn es gibt möglicherweise bedeutsamere Themen als die Diskussion um ein in einer Satire-Sendung vorgetragenes Gedicht."

Das ZDF hat die Ankündigung Böhmermanns via Twitter bestätigt. Man respektiere die Entscheidung des Moderators, teilte der Sender mit.

Böhmermann hatte in seiner TV-Sendung Neo Magazin Royale den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan in dem Gedicht mit drastischen Worten angegriffen. Es ging um Sex mit Tieren und Kinderpornografie, überdies wurden Klischees über Türken thematisiert. Erdoğan forderte unter Berufung auf Paragraf 103 des deutschen Strafgesetzbuches juristische Schritte. Am Freitag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die deutsche Justiz ermächtigt, gegen den 35-Jährigen zu ermitteln.

"Vom Saarland bis nach Sachsen fühle ich eine Solidarität für die Sendung von der überwältigenden Mehrheit derjenigen, die nicht Präsident Erdoğan sind, und dafür möchte ich mich von Herzen bedanken", erklärte Böhmermann weiter auf Facbook. Er verlasse jetzt erst mal das Land, kündigte der Satiriker – wieder ironisch gefärbt – an. Reiseziele hat er demnach bereits ausgewählt: Nordkorea – um sich "die Sache mit der Presse- und Kunstfreiheit noch mal genau erklären" zu lassen – und den Jakobsweg.

Das ZDF hat seinem Moderator derweil volle Unterstützung zugesichert. Der Sender stehe hinter dem Satiriker, sagte Intendant Thomas Bellut dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. "Wir gehen mit ihm durch alle Instanzen", sagte er.