Viele Flüchtlinge sind in ihren Unterkünften weiterhin nicht sicher: Bis Ende April verzeichnete das Bundeskriminalamt (BKA) 368 Straftaten gegen Asylbewerberheime, wie eine Sprecherin ZEIT ONLINE mitteilte. Im gesamten Jahr 2015 hatte es 1.031 Übergriffe gegeben, fünf Mal mehr als noch im Vorjahr.

In den ersten vier Monaten des Jahres zählten die Ermittler nun 73 Gewaltdelikte, 40 Brandstiftungen, vier Vergehen gegen das Sprengstoffgesetz und in einem Fall das "Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion".

In 340 Fällen geht das BKA von rechtsmotivierten Tätern aus, bei 28 angezeigten Taten ist eine politische Motivation zwar nicht erwiesen, konnte aber laut den Ermittlern "noch nicht sicher ausgeschlossen werden". 

Der Rechercheverbund aus SZ, NDR und WDR berichtet unter Berufung auf eine interne BKA-Analyse auch über drei versuchte Tötungsdelikte und 23 Körperverletzungen in den ersten Monaten des Jahres. Demnach warnt das BKA erstmals: "Neben Körperverletzungen muss in Einzelfällen mit Tötungsdelikten gerechnet werden." Nicht nur könnten Flüchtlinge sterben, auch befürchtet das BKA, dass es bei Auseinandersetzungen zwischen Linken und Rechten Tote geben könnte.

Ziele rechter Gewalt sind nach Angaben des Bundeskriminalamts auch ehrenamtliche Helfer, Politiker und Journalisten. Die rechte Szene befördere ein gewolltes "Klima der Angst". Die meisten Delikte gibt es dem internen BKA-Bericht zufolge in Nordrhein-Westfalen. Die Zahlen sind vorläufig, sie bilden die sogenannte polizeiliche Eingangsstatistik ab.

Mehr Terror?

Eine Sprecherin des BKA bestritt auf Anfrage von ZEIT ONLINE die Existenz des Dokumentes nicht, es sei aber nur für den internen Gebrauch bestimmt.

Die Ermittler schreiben den Informationen von SZ, NDR und WDR zufolge, dass zudem die Bildung terroristischer oder krimineller Gruppen im rechten Spektrum in Betracht gezogen werden müsse.  Vor dem Oberlandesgericht München läuft zur Zeit der Prozess gegen Mitglieder rechtsextremen Gruppe Oldschool Society, die Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte geplant haben sollen. Die Organisation wird von der Bundesanwaltschaft als terroristische Vereinigung bezeichnet.

 Auch ZEIT ONLINE hat im Dezember vergangenen Jahres eine Recherche zu rechter Gewalt in Deutschland durchgeführt. Demnach werden die wenigsten Übergriffe auf Flüchtlingsheime aufgeklärt.

Das Bundeskriminalamt fürchtet den Recherchen zufolge aber auch weitere "entschlossene, irrational handelnde, fanatisierte Einzeltäter" ohne Anbindung an extremistische Gruppen. Als Beispiel dafür gilt der Messer-Angriff auf die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker.