Vor zehn Jahren gab es 32 Millionen Menschen, die dringend humanitäre Hilfe benötigten – heute sind es mehr als 125 Millionen. Lang andauernde Konflikte haben zu Millionen Vertriebenen geführt und Naturkatastrophen immer größeren Ausmaßes wirken sich immer stärker auf die Lebensgrundlage der Menschen aus.

Durch den Klimawandel, extreme Armut, Wasser- und Lebensmittelknappheit, Migration und Epidemien müssen humanitäre Hilfsorganisationen immer mehr Menschen in immer mehr Gebieten unterstützen. Im letzten Jahr war laut Angaben der Hochrangigen Gruppe für die Finanzierung humanitärer Maßnahmen im humanitären Bereich mit 15 Milliarden US-Dollar die bisher größte Finanzierungslücke zu verzeichnen. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich das Schicksal von Frauen, Männern und Kindern, die verzweifelt ums Überleben kämpfen. Die Vereinten Nationen und ihre humanitären Partner arbeiten unermüdlich, um den schutzbedürftigsten Menschen zu helfen. Um Menschenleben zu retten, müssen Ressourcen unmittelbar zur Verfügung stehen.

Vor zehn Jahren hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen den Nothilfefonds (CERF) ins Leben gerufen. Das Ziel: Menschen, die von akuten Krisen, plötzlich hereinbrechenden Katastrophen, bewaffneten Konflikten und vergessenen Krisen betroffen sind, rechtzeitig mit lebensrettender Hilfe zu versorgen. Seit 2006 haben Millionen von Menschen in 94 Ländern durch den CERF Hilfsleistungen von insgesamt fast 4,5 Milliarden Dollar erhalten. Dank des Fonds können Partner jährlich im Schnitt 20 Millionen Menschen mit Gesundheitsdiensten versorgen, 10 Millionen mit Lebensmitteln und 8 Millionen mit sauberem Wasser und Sanitärversorgung. 5 Millionen erhalten Hilfe bei der Wiederherstellung ihrer Lebensgrundlage, 4 Millionen Menschen kann Schutz gewährt und einer Million eine Unterkunft gestellt werden.

Der Fonds reagiert schon, ehe eine Krise in den Medien erscheint

Während sich der humanitäre Bedarf in der Welt dramatisch erhöht hat, sind die Ressourcen des CERF weitgehend unverändert geblieben: Der Fonds soll jedes Jahr 450 Millionen Dollar für humanitäre Maßnahmen zur Verfügung stellen können. Um zu gewährleisten, dass der CERF mit dem steigenden Bedarf mithalten und ein wirksames Instrument zur Bewältigung der schwerwiegenden, komplexen und verschiedenartigen Krisen unserer Zeit bleiben kann, hat UN-Generalsekretär Ban Ki-moon eine Verdopplung des Fonds auf eine Milliarde US Dollar gefordert.  

Ein besser ausgestatteter CERF wäre auch besser gerüstet für den aktuellen humanitären Bedarf. Er könnte mehr Wirkung zeigen und dabei seine Schwerpunktsetzung, Reichweite und Geschwindigkeit aufrechterhalten. In Krisen bedeutet verlorene Zeit verlorenes Leben. Der Vorteil des CERF liegt in seiner schnellen Handlungsfähigkeit. Binnen Stunden können Mittel für kritische lebensrettende Maßnahmen bereitgestellt werden, so geschehen infolge der Erdbeben in Ecuador, Nepal und Haiti.

Der CERF ist für die weltweite humanitäre Arbeit unverzichtbar geworden. Durch ihn können die UN-Organisationen und ihre Partner schnell und flexibel über Mittel verfügen und Hilfsmaßnahmen umgehend in die Wege leiten. Wofür die Mittel des CERF aufgewandt werden, entscheidet sich auf der Grundlage objektiver, neutraler Bedarfsanalysen, die von humanitären Hilfsteams vor Ort durchgeführt werden. Die Mittel kommen einem umfangreichen Netzwerk an Partnern zugute, was wiederum eine koordinierte Reaktionen ermöglicht. Helfer können dank der durch den CERF bereitgestellten Mittel schnell große Mengen an Hilfsgütern besorgen und sie den schutzbedürftigsten Menschen zur Verfügung stellen.

In vielen Fällen kommt der CERF schon zum Einsatz, noch bevor die Krise ihren Weg in die Medien findet. Im März 2014, als von vielen Stellen noch keine Maßnahmen zur Bewältigung der Ebola-Krise ergriffen worden waren, stellte der CERF bereits das Startkapital für die Arbeit der UN. Und als sich die Lage verschlechterte, konnten durch den CERF zentrale Aspekte der Maßnahmen wie der humanitäre Flugdienst gewährleistet werden, ohne den die humanitäre Arbeit größtenteils zum Erliegen gekommen wäre. Mit einer besseren finanziellen Ausstattung könnte der CERF in solchen Notlagen noch mehr Mittel bereitstellen.