Die New York Daily News brachte die Enttäuschung über die wiederkehrende Debatte auf den Punkt: "Vielen Dank, NRA" stand am Montagmorgen schlicht in großen, schwarzen Buchstaben auf dem Titel. Und als seien die Redakteure es selbst leid, schon wieder auf das Problem und die Verantwortung der Waffenlobby aufmerksam machen zu müssen, packten sie die Fotos früherer Titel zum selben Thema gleich daneben.

Amerika schien, etwas mehr als 24 Stunden nachdem der 29-jährige Omar Mateen in einem Club für LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender) in Orlando wieder und wieder auf den Abzug seiner AR-15 drückte und 49 Menschen in den Tod schickte, vor allem müde. Zu oft hatte das Land in den vergangenen Monaten und Tagen erlebt, was Wut und laxe Waffengesetze anrichten können. Allein in diesem Jahr, das gerade 166 Tage zählt, gab es mehr als 130 Zwischenfälle, die in den Polizeiakten als mass shooting geführt werden. "Das Schlimmste daran ist, dass dieser Schmerz so vertraut ist", fasste es der Comedian John Oliver in seiner Sendung zusammen.

Als Barack Obama am Sonntagvormittag vor die Presse trat, sahen die Amerikaner einen frustrierten und ratlosen Präsidenten, der in seiner Amtszeit wieder und wieder sein Beileid für Verbrechen bekunden musste, die nach Meinung vieler niemals hätten stattfinden müssen. "In keinem anderen Industrieland", sagte Obama auch dieses Mal, "gibt es dieses Problem". Und unter Obama hat es sich weiter verschärft: Im vergangenen Jahr sind die Waffenverkäufe auf neue Rekordzahlen gestiegen.

Was soll dieses Land aufwecken?

Selbst von jenen, die seit Jahren unermüdlich für strengere Gesetze kämpfen, zeigen sich nur wenige zuversichtlich, dass das Problem in den Griff zu kriegen ist. Wenn selbst ein Massaker in einer Grundschule das Land nicht aufwecken kann, wenn der Abgeordneten Gabrielle Giffords von einem Attentäter ins Gesicht geschossen werden kann, ohne dass sich etwas ändert, wenn ein Kinosaal in Colorado und eine Kirche in South Carolina zum Massengrab werden können, ohne dass es zu einen Umdenken kommt – dann wird es auch ein LGBT-Club in Orlando nicht schaffen.

Wie groß der Graben ist, der zwischen den Fronten verläuft, zeigte sich in den Stunden nach dem Anschlag in Florida. Während die Demokraten in Stellungnahmen auf Twitter oder Facebook wieder einmal nach strengeren Waffengesetzen riefen und der LGBT-Gemeinde ihre Solidarität aussprachen, lasen sich die Reaktionen auf der konservativen Seite ganz anders. "Ein Anschlag wie dieser zwingt beide Seiten ganz schnell zurück in ihre jeweilige politische Ecke", kommentierte der Sender CNBC. 


Die Republikaner, allen voran ihr wahrscheinlicher Kandidat für das Präsidentenamt, sahen in dem Anschlag den jüngsten Beweis dafür, dass die USA – und damit ihr liberaler Präsident – nicht entschieden genug gegen den internationalen – vor allem radikalislamistischen – Terror vorgehen. Nach ihrer Lesart ist das Massaker von Orlando ein Anschlag auf Amerika, ohne direkten kausalen Zusammenhang zu nahezu frei zugänglichen Kriegswaffen. Wenn sie ihn sehen, dann umgekehrt: Mehr Waffen, so Trump am Montag im Interview auf CNN, hätten Schlimmeres verhindert.

Marco Rubio, Senator aus Florida und bis vor wenigen Wochen noch selbst Anwärter auf das Präsidentenamt, beschränkte sich in seiner Stellungnahme auf die Feststellung, das Land sehe sich "großen außenpolitischen Herausforderungen" ausgesetzt. Und der texanische Senator Ted Cruz warf wie viele konservative Medien den Demokraten vor, die Anschläge für Attacken auf das Waffenrecht zu nutzen und die Worte "radikaler islamischer Terror" bewusst zu meiden. Die Republikaner wissen, dass sie unter ihren Stammwählern mit diesen Vorwürfen im November punkten können. Die schwule und lesbische Gemeinde fand in den Kommentaren der Republikaner bestenfalls in einem der hinteren Absätze statt.