Nachdem das größte deutsche Festival Rock am Ring vorzeitig abgebrochen worden ist, sind sich Veranstalter und Gemeinde uneins darüber, wer die Kosten trägt. Die Verbandsgemeinde Mendig hatte dem Veranstalter die Genehmigung für Sonntag entzogen, wie eine Sprecherin des Veranstalters mitteilte. Zehntausende Besucher mussten daraufhin das Gelände verlassen.

Eine Karte für Rock am Ring kostet knapp 200 Euro. Viele Besucher fragen sich nun, wer die Kosten für den verpassten Festivaltag zahlt. "Ich sehe auf unserer Seite keine Verantwortung", sagte  Konzertveranstalter Marek Lieberberg süddeutsche.de. Die Frage nach einer Teilerstattung der Tickets stelle sich nicht. 

Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa sprach Lieberberg von einem Fall "höherer Gewalt". Man habe sich einer Anordnung gebeugt. Anders als die Behörden hätte man aber gerne am Sonntag das Festival zum Abschluss gebracht. Dem rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz (SPD) warf Lieberberg vor, die Verantwortung für die Absage auf die Gemeinde abgeschoben zu haben. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte dazu, dass Lewentz den Abbruch der Veranstaltung bereits am Samstag zuvor gefordert habe.

Am Freitagabend waren mehr als 80 Menschen bei einem Blitzeinschlag auf dem Gelände verletzt worden. Daraufhin beschloss Lieberberg nach einem Krisengespräch mit dem rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz (SPD), das Festival wegen weiterer Unwetterwarnungen zu unterbrechen. Am Samstagabend hatte es nach noch zwei Konzerte gegeben. Dabei jubelten Zehntausende den Red Hot Chili Peppers zu, später trat noch die Band The BossHoss auf.

"Habe ich etwas verpasst?"

Manche Gäste waren bereits am Samstag abgereist, die meisten aber hielten bis Sonntag durch. Aus dem tiefen Schlamm machten sich Tausende am Morgen auf den Heimweg, gegen Mittag waren nach Angaben der Polizei die Campingplätze geräumt. Beim Verlassen des Geländes kam es zu Staus, viele Fahrzeuge steckten fest. Der Veranstalter kündigte bei Facebook an, dass 30 Traktoren bereitgestellt würden. Zudem gebe es Ausgabestellen für Trinkwasser.

In den sozialen Netzwerken äußerten sich einige Gäste genervt von der Organisation. "Wir stehen auch seit einer Ewigkeit, hier müssen die größten Parkplätze durch zwei kleine Wege geleert werden", schreibt ein Nutzer. Andere kritisieren, von den Traktoren seien nur einige im Einsatz. "Auf dem Rock-'n'-Roll-Parkplatz ist weit und breit kein Personal von der Orga oder Wasserausgabestelle zu sehen", bemängelt ein Besucher.

Neben kritischen Kommentaren sammeln sich auf der Seite auch verständnisvolle und humorvolle. Einem Nutzer etwa scheint die Absage nicht die gute Laune verdorben zu haben: "Ich bin gerade aufgewacht, schaue aus dem Zelt, und keiner mehr da!? Habe ich etwas verpasst?"