Die US-Armee öffnet sich für Transgender. Fünf Jahre nach Abschaffung der letzten Restriktionen für Schwule und Lesben können auch Transgender ab dem 1. Juli in den Streitkräften dienen, gab Verteidigungsminister Ashton Carter bekannt. "Wir reden über talentierte Amerikaner, die mit Auszeichnung dienen oder die Gelegenheit dazu bekommen wollen", sagte er. Nichts dürfe sie davon abhalten.

"Unsere Aufgabe ist es, dieses Land zu verteidigen", sagte Carter. Dem Militär dürfe nichts im Wege stehen, um die besten Leute für diese Aufgabe zu rekrutieren.

Als Transgender werden Menschen bezeichnet, die sich nicht – oder nicht nur – mit dem Geschlecht identifizieren, das bei ihrer Geburt notiert wurde. Bisher konnten sie aufgrund ihrer Identität vom Militär ausgeschlossen werden.

Transgender, die bereits in der US-Armee dienen, ihre sexuelle Identität aber geheim hielten, müssen dies nun formal nicht mehr. Unter den 1,3 Millionen aktiven Mitgliedern der US-Armee sind nach Angaben des Rand-Instituts, einem US-Militär-Thinktank, etwa 2.500 Transgender.

Ab Oktober können Trans-Menschen den Plänen zufolge auch medizinische Versorgung durch das Pentagon in Anspruch nehmen, die sie für die Geschlechtsangleichung brauchen. In einem Jahr sollen sich dann auch Transgender, die noch nicht beim Militär sind, zum Dienst verpflichten können.

Vor fünf Jahren hatten sich die US-Streitkräfte bereits komplett für Homosexuelle geöffnet. Damals wurde die "Don't ask, don't tell"-Regel ("Nicht fragen, nichts sagen") abgeschafft. Sie besagte, dass Schwule und Lesben zwar in der Armee dienen, aber ihre sexuelle Orientierung nicht zeigen durften.

Die Gleichberechtigung von Transgendern in den Streitkräften erfolgt zu einem Zeitpunkt, da in den USA heftig um die Rechte dieser Menschen gestritten wird. Zuletzt stand die Nutzung öffentlicher Toiletten im Mittelpunkt: Elf Bundesstaaten hatten Ende Mai die Bundesregierung in Washington verklagt, weil sie Schulen angewiesen hatte, Transgender ihre WCs frei auswählen zu lassen. Die Zahl der Übergriffe auf Transgender in den USA hatte sich 2014 im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht, zeigen Daten des FBI.

Von den Republikanern kam Kritik an Carters Maßnahme. Der Abgeordnete Mac Thornberry sagte: "Das ist das jüngste Beispiel dafür, dass das Pentagon und der Präsident Politik über Strategie stellt. Unsere militärische Bereitschaft und unsere nationale Sicherheit hängen davon ab, ob unsere Soldaten medizinisch fit und einsatzbereit sind." Thornberry ist Vorsitzender des Streitkräfteausschusses im Repräsentantenhaus.