Bei einem Eisenbahnunfall sind in Süditalien mindestens 23 Menschen gestorben und etwa 50 weitere verletzt worden. Zwei Züge seien nahe der apulischen Stadt Andria frontal zusammengeprallt, teilte die Feuerwehr mit. Die Nachrichtenagentur Ansa und der Sender Sky TG24 berichteten, die Züge seien auf einer einspurigen Strecke zusammengeprallt. Jeder habe vier Waggons gehabt. Die Feuerwehr hatte zunächst von zwölf Toten gesprochen, der Präsident der Region Barletta-Andria-Trani, Francesco Ventola, musste die Zahl jedoch später nach oben korrigieren. Ein Beamter sagte, die genaue Zahl der Toten werde wohl erst nach Ende der Bergungsarbeiten feststehen.

Fotos zeigten entgleiste und ineinander verkeilte Eisenbahnwagen. "Es gibt viele Tote", sagte der Chef der Einsatzkräfte, Riccardo Zingaro. Die Ursache des Zusammenstoßes war zunächst unklar, auch die Polizei konnte keine Angaben über das Ausmaß machen. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie die beiden Züge vollkommen verkeilt und einige Waggons vollkommen zerstört sind. Die Rettungskräfte versuchten, Zuginsassen aus zertrümmerten Waggons zu befreien. An Bord sollen sich vor allem Pendler und Studierende befunden haben. Auch ein etwa siebenjähriger Junge sei gerettet worden und schwebe nicht in Lebensgefahr.

Bari in Italien

Ermittler schlossen menschliches Versagen nicht aus. Einer der beiden Züge soll an einem Bahnhof auf grünes Licht gewartet haben und dann auf der eingleisigen Strecke zwischen den Städten Corsato und Andria gefahren sein. Die Behörden riefen zu Blutspenden auf.

Beide Züge gehörten dem privaten Eisenbahnunternehmen Ferrotramviaria, wie die nationale Bahngesellschaft Ferrovie dello Stato mitteilte. Die Firma betreibt etwa 20 kleine Elektrozüge. Nach Unternehmensangaben werden sie größtenteils von Schülern und Berufspendlern genutzt. Unternehmenschef Massimo Nitti sagte, es müsse noch ermittelt werden, was genau zu dem Unglück geführt habe. Klar sei aber, dass "einer der Züge nicht hätte dort sein sollen".

Ministerpräsident Matteo Renzi brach eine Rede in Mailand ab und kündigte seine Rückkehr nach Rom an. "Das ist ein Augenblick für Tränen, in dem wir arbeiten müssen, um die Opfer und Verletzten zu bergen", sagte er. Der Vorfall müsse umfassend aufgeklärt werden, fügte er hinzu.

Ende Juni 2009 waren bei einem schweren Zugunglück in der toskanischen Küstenstadt Viareggio 26 Menschen ums Leben gekommen. Damals entgleiste ein Güterzug, ein mit Flüssiggas gefüllter Waggon explodierte. Es war das schwerste Zugunglück in Italien seit mehr als 20 Jahren.