Rund 3500 Linke und Linksextreme haben im Berliner Stadtteil Friedrichshain gegen Polizeieinsätze und die seit längerem andauernde Polizeipräsenz rund um von Autonomen bewohnte Häuser in der Rigaer Straße protestiert. Dabei kam es zu Ausschreitungen, bei denen Polizisten und Demonstranten verletzt wurden.

Einige Randalierer griffen die Polizei mit Steinen, Flaschen und Böllern an. Schaufensterscheiben wurden zerstört und Polizeiautos beschädigt. Die Polizei sprühte Reizgas. Der Protestmarsch wurde trotz der Krawalle fortgesetzt.

Auf Transparenten standen Parolen wie "Rigaer 94 verteidigen" und "Häuser solidarisch gegen Staatsterror". Direkt vor dem Eingang des Hauses Rigaer Straße 94 hatte die Polizei fünf Mannschaftswagen und mehr als Hundert Beamte positioniert. Bewohner des Hauses und Nachbarn lärmten schon vor Ankunft des Demonstrationszugs und schlugen mit Löffeln gegen Kochtöpfe. Die Demonstration stand lange, während die Menge immer wieder minutenlang skandierte: "Bullenschweine raus aus der Rigaer!"

Im weiteren Verlauf begleiteten Polizisten mit Helmen die gesamte Demonstration im Spalier, insgesamt waren 1.800 Polizisten im Einsatz. Von einem Hubschrauber aus beobachtete die Polizei den Aufmarsch. Auf dem weiteren Weg gab es immer wieder Rangeleien zwischen Beamten und Demonstranten. Um 23.10 Uhr wurde die Demonstration für beendet erklärt.

Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, seien bei den Ausschreitungen 123 Polizisten verletzt worden, 86 Demonstranten wurden festgenommen. Gegen drei Teilnehmer werde wegen schweren Landfriedensbruchs ermittelt.

Spannungen dauern schon seit Wochen an

In den vergangenen Monaten hatten unter anderem ein großer Polizeieinsatz im Januar und die Räumung einiger Bereiche in dem Haus Nr. 94 am 22. Juni in der linksradikalen Szene für Aufruhr gesorgt. Seit Wochen gibt es fast in jeder Nacht Brandanschläge auf Autos, die Extremisten zugeschrieben werden, sowie Aufrufe zu Gewalt und Straßenschlachten.

Die Berliner Polizei wurde von Kollegen aus Bayern, Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und von der Bundespolizei unterstützt. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) kündigte an, die Polizei werde auch in der Nacht nach der Demonstration präsent sein, um Krawalle und Brandanschläge zu unterbinden.