Aysegül trägt wie ihre beiden Töchter eine rote Halbmondfahne und wartet auf der riesigen Festwiese auf ihre Bekannte Yurdanur. Um fünf Uhr früh sei sie mit einem der drei Busse aus Berlin gekommen, sagt die 38-jährige Köchin. Die lange Anreise von sieben Stunden: geschenkt. Gereicht werden kostenloses Wasser aus Plastikflaschen und rote Fahnen, die Stimmung um 14 Uhr ist ausgelassen und angespannt. Polizeihubschrauber knattern am Himmel.
Die UETD – kurz für Union Europäisch-Türkischer Demokraten – ist zuständig für die Organisation und hat drei Busse aus Berlin nach Köln gechartert. "Die Stimmung war echt klasse", erzählt Aysegül und lacht. In einem Bus nur mit Frauen habe sie gesessen; gefüllte Weinblätter, Börek und Poğaça, kleine Teigtaschen, sowie eine Menge anderer selbstgemachter Leckereien wurden schwesterlich geteilt. "Zwischendurch haben wir aus dem Koran rezitiert", verrät sie.
Ihre 18-jährige Tochter, Rechtsanwaltsgehilfin, wirft ein: "Gesungen haben wir aber auch, das Übliche halt." Als Dombra, Dombra ertönt, die AKP-Wahlhymne des in Deutschland aufgewachsenen Abgeordneten Uğur Işılak, wippt die Familie zum Takt mit. Eigentlich sind sie mit dem Vater hier, doch den haben sie in der Menge verloren. Ihre jüngste Tochter, noch im Grundschulalter, habe heute früh alle geweckt, so aufgeregt sei sie gewesen, erzählt Aysegül und zupft nervös an der grünen Jacke der Achtjährigen.
"Diese Integrationsdebatte nervt"
Aysegüls Mann bleibt verschollen. Dafür taucht ihre Freundin Yurdanur mitsamt Töchtern und Nichte auf. Die Frauen schauen beseelt in das Fahnenmeer und reißen sich winzige Häppchen von mitgebrachten Sesamkringeln ab. "Ich habe meinem Mann heute früh über WhatsApp geschrieben, dass ich herkomme, ob er nun will oder nicht", ruft die 47-jährige Yurdanur gegen den Lärm an. Sie habe, zack, die drei ältesten Töchter eingepackt, um mit dem Bus nach Köln zu gelangen.
Die Schneiderin aus Kreuzberg sei für "ihr Vaterland" hier, sagt sie. "Ich bin mit zwei Jahren in Berlin gelandet und lebe seit 45 Jahren hier. Das ist mein Land, da darf ich doch für mein zweites Land auf die Straße, oder nicht? Sogar meine beiden Jüngsten habe ich dafür noch schnell verkauft." Verkauft? "Na, bei Bekannten untergebracht. Der Papa kommt doch erst von seiner Schicht und hätte nicht aufpassen können. Der liest meine Nachricht bestimmt erst jetzt", kichert Yurdanur und ihre blauen Augen blitzen neckisch.
Ihre 17-jährige Tochter Neslihan nennt sich einen großen Türkei-Fan. "Das geht hier gegen alle Landesverräter", sagt die Abiturientin: "gegen die, die für den Putsch sind; gegen die, die den Putsch unterstützt haben und gegen die, die die türkische Fahne nicht ehren". Ihre Stimme überschlägt sich.
Ihre 14-jährige Kusine Aysegül ist etwas nachdenklicher. "Natürlich haben wir auch Freunde, die die AKP nicht gut finden. Das ist doch okay. Ich diskutiere schon mit ihnen. Aber ich weiß leider nicht so viel wie meine Eltern zur türkischen Geschichte", räumt Aysegül ein. "Wir reden über Politik und dann halt über andere Sachen." Die Mädchenrunde nickt zustimmend. Yurdanurs ältere Tochter Senem, Soziologiestudentin und Anfang 20, wirft ein: "Diese Integrationsdebatte nervt. Warum kann ich nicht auch für die Türkei sein, auch wenn ich hier lebe, arbeite und Steuern zahle? Das ist doch nur für die Rechten ein Widerspruch."
Aysegül trägt wie ihre beiden Töchter eine rote Halbmondfahne und wartet auf der riesigen Festwiese auf ihre Bekannte Yurdanur. Um fünf Uhr früh sei sie mit einem der drei Busse aus Berlin gekommen, sagt die 38-jährige Köchin. Die lange Anreise von sieben Stunden: geschenkt. Gereicht werden kostenloses Wasser aus Plastikflaschen und rote Fahnen, die Stimmung um 14 Uhr ist ausgelassen und angespannt. Polizeihubschrauber knattern am Himmel.
Die UETD – kurz für Union Europäisch-Türkischer Demokraten – ist zuständig für die Organisation und hat drei Busse aus Berlin nach Köln gechartert. "Die Stimmung war echt klasse", erzählt Aysegül und lacht. In einem Bus nur mit Frauen habe sie gesessen; gefüllte Weinblätter, Börek und Poğaça, kleine Teigtaschen, sowie eine Menge anderer selbstgemachter Leckereien wurden schwesterlich geteilt. "Zwischendurch haben wir aus dem Koran rezitiert", verrät sie.