Papst Franziskus hat die Jugend aufgerufen, "Vorreiter der Geschichte" zu sein. "Liebe junge Freunde, wir sind nicht auf die Welt gekommen, um zu vegetieren, um es uns bequem zu machen, um aus dem Leben ein Sofa zu machen, das uns einschläfert", sagte der Papst beim Nachtgebet auf dem Weltjugendtag vor Hunderttausenden Pilgern nahe Kraków (Krakau).

"Ein Sofa, wie jene modernen mit einlullenden Massagen, die uns Stunden der Ruhe garantieren, um uns in die Welt der Videospiele zu begeben und Stunden vor dem Computer zu verbringen", fuhr der 79-Jährige fort. Es sei für viele einfacher, benommene Jugendliche zu haben. In der heutigen Zeit brauche es aber keine "Sofa-Jugendlichen, sondern junge Menschen mit Schuhen, noch besser mit Stiefeln an den Füßen", um Spuren zu hinterlassen.

Das Glück und das gute Sofa

Franziskus sprach von einer für junge Menschen "oft schwer zu erkennenden Lähmung": "Ich nenne sie gerne die Lähmung, die aufkommt, wenn man das Glück mit einem Sofa verwechselt! Ja, zu glauben, dass wir, um glücklich zu sein, ein gutes Sofa brauchen. Ein Sofa, das uns hilft, es bequem zu haben, ruhig und ganz sicher zu sein."

Zum Nachtgebet, der sogenannten Vigil, waren die Teilnehmer des Weltjugendtages in Kraków den ganzen Tag über auf ein riesiges Feld vor den Toren der Stadt geströmt. Bei großer Hitze hatten sie acht bis zehn Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Anwohner und Helfer reichten ihnen unterwegs immer wieder Getränke oder besprühten sie mit Wasser.

Anwohner versorgen die Pilger mit Wasser © Armin Weigel/dpa

Die Sicherheitskräfte schätzten die Zahl der Teilnehmer an dem Gebet auf etwa eine Million. Die meisten wollten auf dem eigens für den Weltjugendtag hergerichteten Feld der Barmherzigkeit übernachten, um am Sonntag bei der Abschlussmesse des sechstägigen Katholikentreffens dabei zu sein. Auch Franziskus wird daran teilnehmen, ehe er nach fünf Tagen in Polen nach Rom zurückfliegt.

Szydło fühlt sich von Kritik des Papstes nicht angesprochen

Für die polnische Regierungschefin Beata Szydło ist der Einfluss von Papst Johannes Paul II. (1920–2005) auch während der Pilgerreise seines Nachfolgers Franziskus ungebrochen. Franziskus zeige Größe in seiner Einfachheit, sagte die nationalkonservative Politikerin dem Sender Radio Kraków. "Er ist gewiss eine andere Gestalt als Johannes Paul II. oder Benedikt XVI., der große Intellektuelle. Johannes Paul ist vor allem unser polnischer Papst und wird für uns immer am wichtigsten sein."

Von dem Appell des Papstes, Flüchtlinge aufzunehmen, sah sich Szydło nicht angesprochen. "Diejenigen, die Polen kritisieren (…), werden sicher sagen, na bitte, Papst Franziskus ist gekommen und hat Polen belehrt." Es gebe aber auch andere, die darauf hinwiesen, dass Polen Ukrainer aufgenommen habe. Das EU-Land weigert sich, Flüchtlinge aus muslimischen Staaten wie Syrien oder Afghanistan aufzunehmen.

Bei einer Messe mit Ordensleuten und Seminaristen in Kraków drängte Franziskus am Vormittag auf eine offenere und bescheidenere Kirche. "In unserem Leben als Priester und Gottgeweihte kann oft die Versuchung bestehen, ein wenig in uns selbst und in unsere Kreise eingeschlossen zu bleiben, aus Furcht oder aus Bequemlichkeit", sagte das Oberhaupt der Katholiken.