Die Polizei in Baltimore verletzt nicht nur systematisch die Rechte von Afroamerikanern, sondern hat in der Vergangenheit auch Frauen diskriminiert. Ein Report des US-Justizministeriums offenbart  Mängel der Polizeibeamten im Umgang mit Opfern sexualisierter Gewalt. Frauen, die Anzeige wegen sexueller Übergriffe stellen wollten, seien gedemütigt und wichtige Beweise oft außer Acht gelassen worden. Das berichtet die New York Times unter Berufung auf den Report.

Der 163 Seiten umfassende Bericht des Justizministeriums dokumentiert eine frauenfeindliche Kultur in der Baltimorer Polizei. Insbesondere gegenüber Prostituierten und Transgender-Personen seien die Beamten feindlich eingestellt gewesen, heißt es. So wurden Beschwerden von Prostituierten teils nicht aufgenommen oder schnell fallengelassen. Beamte sollen Frauen auch davon abgeraten haben, die Täter zu identifizieren. "Warum wollen sie das Leben dieses Mannes zerstören?", soll ein Polizist eines der Opfer gefragt haben.  

Die frauenfeindlichen Einstellungen beschränkten sich nicht auf die unteren Dienstgrade. Ermittler berichten in dem Report von der E-Mail eines Staatsanwalts, der das Opfer einer sexuellen Belästigung als "hinterhältige kleine Hure" bezeichnete. Der Polizeibeamte, an den die Mail ging, antwortete: "LMAO! Das sehe ich auch so". Die Abkürzung steht für laughing my ass off (Ich lach' mich tot).

Experten gehen davon aus, dass das Problem in Baltimore besonders schlimm ist, da in der Stadt mit etwa 620.000 Einwohnern viele Afroamerikaner leben. Ihr Anteil an der Stadtbevölkerung beträgt 63 Prozent. Insbesondere viele Frauen sind arm und schwarz. "Für Baltimore ist so etwas schlimmer, da hier mehr Schwarze und mehr arme Schwarze leben und daher Einstellungen, wie sie in dem Bericht bestätigt werden, größere Auswirkungen haben", zitierte die New York Times Lisalyn R. Jacobs, eine Expertin für Race und Gender-Vorurteile. 

Polizeichef Davis will sich den Problemen stellen

Auslöser für die Untersuchungen des Justizministeriums war der Tod des Schwarzen Freddie Grays, der im April 2015 in Polizeigewahrsam gestorben war. Der Report kommt zu dem Ergebnis, dass die Polizei von Baltimore bei Einsätzen exzessiv Gewalt anwendet und unangemessen oft gegen Schwarze vorgeht. Zu oft hätten die Polizisten in armen Vierteln mit vielen Afroamerikanern oft mit zweifelhafter Rechtfertigung Autofahrer angehalten und Bürger illegal festgenommen, wenn "ihnen nicht gefiel, was diese Leute sagten". "Diese Verstöße haben die Beziehung zwischen der Polizei und der Gemeinschaft, der sie dient, untergraben", hatte die Leiterin der Zivilrechtsabteilung des US-Justizministeriums bei der Vorstellung des Berichts gesagt.  

Der Polizeichef von Baltimore, Kevin Davis, sagte am Donnerstag, man werde sich den Problemen stellen. "Die Herausforderung respektvoll mit den Opfern von sexuellen Übergriffen umzugehen, ist eine Herausforderung für unseren Beruf", sagte er. "Wir sind uns der Problematik bewusst und wissen, dass wir hier noch besser werden müssen."

Der Tod des 25-jährigen Gray in einem Polizeitransporter hatte in Baltimore Unruhen ausgelöst. Keiner der sechs an seiner Festnahme beteiligten Polizisten – drei Schwarze und drei Weiße – wurde dafür zur Verantwortung gezogen. Sie wurden entweder freigesprochen, oder die Vorwürfe gegen sie wurden fallengelassen.