5. Wie wir lieben sollen

Wer hatte keinen Sexualkundeunterricht in der Schule? Und wer hat hinterher nicht in dem ein oder anderen Moment gedacht: Ohhh, wenn mir das jemand gesagt hätte!

Jenni Schnarr und Luisa Mell ging es auch so: Warum erklärt der Biolehrer, wie eine Gebärmutter funktioniert, aber nicht, dass man jederzeit nein sagen kann, wenn sich irgendetwas nicht gut anfühlt? Warum tauchen in den Schulbüchern – genauso wie in Kinderfilmen und Büchern – nur Vater, Mutter, Kind auf, als sei das das einzig mögliche Modell?

Deshalb entwickeln Jenni und Luisa ein Theaterstück für Schülerinnen und Schüler, das die Lücke füllt, die der Biolehrer hinterlässt. Damit wollen sie durch Schulklassen touren und zeigen, dass jede und jeder selbst entscheiden kann, wie er oder sie leben möchte. Wer ihr Projekt gut findet und sie unterstützen möchte, sollte ihnen eine Mail schreiben. Frida Thurm

6. Der Datenhandschuh

Texte schreiben, whatsappen, Tweets verschicken, posten. Für die meisten von uns ist das völlig normal. Von überall, zu jeder Zeit. Für sehbehinderte und blinde Menschen auch, doch ist Tippen und Texten für sie meist viel umständlicher, trotz Sprachsteuerung und Vorlesefunktion.

Dario und sein Team ändern das. Sie basteln an einem Handschuh, der Blinde schreiben lässt. Ohne Bildschirm, ohne Tastatur, nur mit den Fingerspitzen die Buchstaben, Zahlen und Befehle diktieren. Und das alles mit nur einer Hand.

Der Datenhandschuh ist aber auch für alle, die sich im Büro, an der Uni, zu Hause oder draußen nicht ständig an ihre Rechner und mobilen Geräte fesseln lassen wollen. Praktisch auch fürs Texten unterwegs. Niemand muss dann mehr auf sein Smartphone starren – das senkt das Risiko gegen den nächsten Laternenpfahl zu rennen.

Für ihren nächsten Prototyp brauchen Dario und sein Team Förderer. Der Datenhandschuh soll flexibler werden, es braucht neue Materialien und Weiterentwicklung, um ihn fehlerfreier funktionieren zu lassen.

Dieses Projekt sollte unbedingt weiter gefördert werden, weil es hilft, uns von Bildschirmen und Tastaturen zu lösen. Weil es uns den Alltag erleichtern kann und Blinden eine neue Möglichkeit gibt, leichter zu kommunizieren, zu texten und sich zu vernetzen. Sven Stockrahm

7. Das globale Trinkgeld

Jonathan und Jannis haben bei Z2X ihre Idee eines globalen Trinkgeldes vorgestellt. Damit wollen sie eines der grundsätzlichen Probleme der Globalisierung angehen: Sie wollen dafür sorgen, dass die Menschen am Anfang der Wertschöpfungskette – Kaffeebauern in Äthiopien, Fabrikarbeiter in Indien – fairer für ihre Arbeit entlohnt werden. Sie sagen, dass schon wenige Prozent Trinkgeld das Gehalt eines Menschen in Ländern des globalen Südens verdreifachen würden.

Die beiden 20-Jährigen haben konkrete Ideen, wie sich das umsetzen ließe. Sie wollen in Onlineshops eine Funktion anbieten, über die Kunden freiwillig Trinkgeld geben können. Über ihre Organisation tip-me.org sorgen Sie dafür, dass das Geld bei den richtigen Empfängern ankommt. Das sollen Betriebe und Kollektive sein, die das Geld auch tatsächlich an ihre Mitarbeiter weitergeben. Die wiederum sollen frei entscheiden können, was sie mit dem Trinkgeld machen.

Man muss den zwei Berlinern nur wenige Minuten zuhören, um von ihrer Leidenschaft für das Thema überzeugt zu sein. Sie haben über fast jedes Detail ihres Projekts nachgedacht und können Antworten auf die wesentlichen Einwände geben. Sie stehen in Kontakt mit ersten Partnerunternehmen und haben einen Prototyp des Trinkgeld-Features selber programmiert. Jonathan und Jannis sind nicht nur Visionäre, sondern Macher. Sebastian Horn