Kürzlich sorgte die AfD im schwullesbisch geprägten Berliner Nollendorfkiez für Aufregung: Ein Plakat der Partei im Berliner Wahlkampf zeigte zwei angeblich schwule Männer und daneben den Satz: "Mein Partner und ich legen keinen Wert auf die Bekanntschaft mit muslimischen Einwanderern, für die unsere Liebe eine Todsünde ist."

Gegen eine solche Vereinnahmung von sexuellen Minderheiten durch Rechtspopulisten und den Versuch, Homosexuelle und Muslime gegeneinander auszuspielen, wendet sich nun das Berliner Manifest. Zahlreiche Prominente haben den Aufruf unterzeichnet, der am heutigen Donnerstag veröffentlicht wurde. Darin wird dazu aufgerufen, bei den anstehenden Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern "nur für solche Parteien zu stimmen, deren Programm nicht im Widerspruch zu einer vielfältigen und offenen Gesellschaft steht, die von gegenseitigem Respekt getragen wird".

Mehr als 200 Erstunterzeichner haben sich dem Aufruf angeschlossen. Zu den Unterstützern des Manifests zählen laut den Organisatoren unter anderem der Comedian Thomas Hermanns, die Schauspieler Maren Kroymann, Georg Uecker und Gustav Peter Wöhler, Comiczeichner Ralf König und Opernintendant Barrie Kosky. Aus der Bundespolitik stehen Volker Beck (Grüne) und Johannes Kahrs (SPD) auf der Liste. Auch die Oberbürgermeister von Darmstadt und Erlangen, Jochen Partsch (Grüne) und Florian Janik (SPD), haben unterzeichnet.

Vielfalt als Chance

Die AfD hat sich immer wieder homophob geäußert und lehnt eine völlige Gleichstellung schwuler und lesbischer Paare mit heterosexuellen Ehepaaren sowie das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare ab. Das Berliner Manifest ruft dazu auf, Vielfalt in der Gesellschaft als Chance zu begreifen und "die Errungenschaften unserer emanzipatorischen Bewegungen der letzten 50 Jahre mutig" zu verteidigen und weiterzuführen.

Lesben, Schwule, Bi-, Inter- und Transsexuelle könnten den Kampf um ihre Gleichberechtigung nur gemeinsam gewinnen, heißt es in dem Manifest. "Wir werden alle verlieren, wenn wir uns gegeneinander ausspielen lassen." In dem Text wird zudem die vollständige rechtliche Gleichstellung gefordert: "Lesben und Schwule müssen heiraten und Kinder adoptieren dürfen." Außerdem müsse Artikel 3 des Grundgesetzes um den Schutz vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität erweitert werden. Die Initiatoren des Aufrufs sind Wissenschaftler und Journalisten.

Offenlegung: Zu den Initiatoren zählt ZEIT-ONLINE-Redakteur Bastian Brauns, zu den Erstunterzeichnern ZEIT-ONLINE-Redakteur Matthias Breitinger.