Die Feuerwehr hat nach dem Explosionsunglück bei der BASF in Ludwigshafen in den angrenzenden Stadtteilen keine Schadstoffe in gefährlicher Konzentration gemessen. Das sagte der Ärztliche Leiter des Gesundheitsamtes, Thomas Bienert, bei der Vorstellung der Messergebnisse am Freitag in Ludwigshafen. Der höchste Wert des krebserregenden Stoffes Benzol, der außerhalb der Unglücksstelle festgestellt worden sei, habe immer unterhalb des Grenzwerts von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gelegen. Bei Gemüseproben aus der Umgebung wurden nach Angaben des Umweltministeriums in Mainz ebenfalls keine gefährlichen Rückstände entdeckt.

Polizei und Staatsanwaltschaft teilten außerdem mit, dass wie vermutet auch der Matrose eines Tankschiffes ums Leben gekommen sei. Das habe die Obduktion einer im Landeshafen Nord entdeckten dritten Leiche ergeben, die Taucher dort am Mittwoch im Becken geborgen hatten. Der Matrose war nach dem Unglück vom Montag in Ludwigshafen vermisst worden. Bei der Explosion starben auch zwei Mitarbeiter der BASF-Werksfeuerwehr. Insgesamt 30 Menschen wurden verletzt, acht davon schwer. Sechs Menschen liegen dem Ludwigshafener Feuerwehrdezernenten Dieter Feid (SPD) zufolge noch auf der Intensivstation.

BASF-Vorstandschef Kurt Bock drückte in einer Videobotschaft an die Mitarbeiter seine Trauer um die Toten und sein Mitgefühl mit den Hinterbliebenen aus. "Ich bin sicher, diese Woche beschäftigen uns alle dieselben Gedanken und Fragen: die Trauer um die Verstorbenen, das Mitgefühl für die Familien und Angehörigen und der Wunsch, dass die Verletzten so schnell wie möglich wieder gesund werden", sagte der Unternehmenschef.

Bock versicherte, das Unternehmen arbeite mit aller Kraft an der Behebung der Schäden, um den Betrieb so schnell wie möglich wieder zu normalisieren. "Doch die Trauer um die Verstorbenen wird anhalten und die Wunden werden nur langsam heilen." Im Namen des Vorstandes dankte er den Einsatzkräften, die selbstlos versucht hätten, den Schaden so gering wie möglich zu halten – und dem Krisenteam, das daran arbeite, die Lage weiter zu stabilisieren.

Greenpeace will eigene Untersuchung

Bei dem stundenlangen Brand nach einer Explosion bei BASF am Montag war eine riesige schwarze Rauchwolke entstanden. Die Menschen in den umliegenden Gebieten wurden aufgerufen, zu Hause zu bleiben und Fenster und Türen geschlossen zu halten. Laut BASF brannten unter anderem Rohrleitungen mit Ethylen und Propylen.

Nach der Konzentration von Benzol habe man danach am genauesten geschaut, weil es "das Gefährlichste" sei. Nach Angaben von Thomas Bienert vom Gesundheitsamt war der Benzolwert in den ersten Stunden nach dem Unglück vom Montag etwas erhöht, aber nach mehr als 24 Stunden nicht mehr nachweisbar. Mehrere Menschen hatten über Reizungen von Augen und Atemwegen geklagt. Das bei genaueren Messungen dann aber keine erhöhten Werte festgestellt worden waren, erklärte Bienert damit, dass die Schadstoffe "schwallartig" aufgetreten seien. Der Wind habe sie schnell weitergetrieben. "Insgesamt war das, was gemessen werden konnte, extrem gering", sagte Bienert. 

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte, dass die Feuerwehr die Messergebnisse erst vier Tage nach dem Unglück veröffentlichte. Das mache misstrauisch, sagte eine Sprecherin, die eigene Ergebnisse ankündigte. "Bei Bränden kann eine besondere Gefahr von chlorierten Kohlenwasserstoffen ausgehen, die durch die üblichen Messstationen unzureichend erfasst werden." Greenpeace habe Proben an ein unabhängiges Labor gegeben. Der Ludwigshafener Feuerwehrdezernent Dieter Feid (SPD) wies den Vorwurf zurück. Man gehe an die Öffentlichkeit, sobald die Daten aufbereitet seien.

Fremdfirma hatte an Rohrleitung gearbeitet

Zu den Gemüseproben teilte das Umweltministerium mit, sie stammten von Feldern bei Frankenthal und seien vom Landesuntersuchungsamt auf Rußablagerungen untersucht worden. Auch auf gesundheitsschädliche Verbrennungsrückstände beziehungsweise sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe sei geprüft worden. Letztere entstünden bei Verbrennungsprozessen und könnten Krebs auslösen. "Alle Proben sind sensorisch und chemisch unauffällig", sagte Umweltstaatssekretär Thomas Griese (Grüne). Dennoch sollten Obst und Gemüse vor dem Verzehr grundsätzlich gründlich gewaschen oder geschält werden, riet er. Der Großteil der Felder ist laut Ministerium zurzeit aber ohnehin nicht bewirtschaftet, das meiste Gemüse sei bereits geerntet.

Kurz vor der schweren Explosion hat der Staatsanwaltschaft zufolge eine Fremdfirma an einer Rohrleitung gearbeitet. Die Firma sollte ein Teil austauschen, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Ströber in Bezug auf Aussagen eines Firmenmitarbeiters sagte. "Dieses Rohr soll ohne Inhalt gewesen sein."

Das habe der BASF schriftlich bestätigt. Die Arbeiter hätten sich auch mit einer Probebohrung davon überzeugt, dass sich keine Restprodukte in dem Rohr befunden hätten. Dann sei das Rohr durchtrennt worden. "Es kam zu einer Explosion, und einer der Arbeiter, der an diesem Rohr gearbeitet hat, der wurde von Feuer erfasst", gab Ströber die Aussage wieder.

Nun müsse weiter untersucht werden, wie dies passieren konnte. Um was für eine Leitung es sich gehandelt habe und wo diese genaue liege, habe der Zeuge nicht eindeutig beschrieben.