Jaber A., der deutschlandweit gesuchte Syrer aus Chemnitz, ist offenbar nur knapp der Festnahme entgangen. Als die Polizei die Stürmung der Wohnung vorbereitete, in der später der Sprengstoff gefunden wurde, bewegte sich eine Person im Haus. Die Beamten erkannten Jaber A. und gaben einen Warnschuss ab. Da angenommen werden musste, dass A. Sprengstoff bei sich hatte, gingen die Polizisten nach Angaben des LKA jedoch nicht auf ihn zu. Sie nahmen an, dass er in die Wohnung zurücklief. Doch der Verdächtige entkam.

Spiegel Online berichtet unter Berufung auf einen internen Lagebericht, dass das sächsische Landeskriminalamt die Wohnung in Chemnitz observierte. "Wir waren dabei, den Zugriff vorzubereiten, als der Verdächtige das Haus verließ", bestätigte ein Sprecher des LKA demnach.

Vor dem Eindringen in die Wohnung hatte die Polizei Nachbarn gewarnt und zum Verlassen des Hauses aufgefordert. Da ein Sprengstoffverdacht vorlag, musste sensibel vorgegangen werden, vor allem in einem Wohngebiet, sagte ein LKA-Sprecher. Dem Bundesnachrichtendienst und dem Bundesamt für Verfassungsschutz hätten Hinweise vorgelegen, dass Jaber A. ein Sprengstoffattentat vorbereite. A. hatte sich demnach im Internet über den Bau von Bomben informiert und entsprechende Materialien beschafft.

Als die Beamten die Wohnung in dem Block in der Straße Usti nad Labem 97 schließlich stürmten, war sie leer. Die Polizei fahndet bundesweit nach dem 22-jährigen – in anderer Schreibweise wird sein Vorname mit Dschaber angegeben.

Weiterer Zugriff am Sonntagnachmittag

Mieter der Wohnung ist laut Polizei eine "Kontaktperson" des Flüchtigen, der allein dort gemeldet sein soll.D er Mann wurde am Samstag am Chemnitzer Hauptbahnhof festgenommen. Es bestehe der Verdacht, dass er ein Mittäter von Jaber A. ist, teilten die Ermittler mit. Die Staatsanwaltschaft Dresden beantragte Haftbefehl wegen Beihilfe zur Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Derzeit prüfe ein Richter, ob ein Haftbefehl gegen den Syrer ausgestellt wird. Das twitterte die Polizei Sachsen am Sonntagvormittag.

Mit diesem Bild fahndet die Polizei nach Jaber A. © Polizei Sachsen

Am Sonntagnachmittag gab es bei einem weiteren Verdächtigen einen Einsatz des Spezialeinsatzkommando. Die Polizei twitterte: In der Clausewitzer Straße sei es zu einem weiteren Zugriff durch das SEK gekommen. "Es gab Hinweise auf bestehende Kontakte zum Tatverdächtigen." Am Abend teilte die Polizei dann mit, das SEK habe auch bei dieser Wohnung die Tür aufgesprengt. Ein Sprecher des Landeskriminalamtes begründete die direkte Vorgehensweise damit, dass Sprengstoff im Spiel sei. Ein Mann wurde von dem Beamten zur Vernehmung mitgenommen.

Haus bleibt gesperrt

Am Samstag hatten die Beamten den Sprengstoff in der Wohnung von Jaber A. erst nach längerer Suche gefunden, er sei gut versteckt gewesen, hieß es. Er war von der Polizei nahe des Hauses kontrolliert vernichtet worden. Um welche Substanz es sich handelte, blieb zunächst unklar. Die Polizei teilte lediglich mit, das Gemisch sei gefährlicher als TNT. Nach Informationen des ZDF handelte es sich um TATP, eine Abkürzung für Triacetontriperoxid. Der Stoff explodiert bei geringen Erschütterungen. Er ist so empfindlich, dass er bereits detonieren kann, wenn ein Gefäß mit TATP nur geöffnet wird.

Über mögliche Anschlagsziele von A. ist bisher nichts bekannt. Weder der Verfassungsschutz noch die Polizei wollten sich zu einem Focus-Bericht äußern, wonach ein deutscher Flughafen angegriffen werden sollte.

Für den Einsatz wurde der Wohnblock, in dem der Verdächtige geortet worden war, evakuiert. Rund 80 Menschen kamen bei Freunden und Verwandten unter oder warteten in einem Bus in der Nähe. Sie konnten in der Nacht zum Sonntag oder am Morgen in ihre Wohnungen zurück. Die etwa 20 Bewohner des Hauses mit der verdächtigen Wohnung durften hingegen noch nicht zurückkehren. Laut LKA werden die kriminaltechnischen Untersuchungen bis Montag andauern.