Die Zahl homophober Angriffe hat sich laut einem Bericht des britischen Guardian nach dem Brexit mehr als verdoppelt. In den drei Monaten nach dem Referendum haben demnach Verbrechen gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender (LGBT) um 147 Prozent zugenommen.

Bereits im Juni und Juli waren in Großbritannien vermehrt rassistische und fremdenfeindliche Attacken gemeldet worden. Laut der Bilanz des National Police Chief's Council (NPCC) wurden zwischen dem 16. Juni und dem 14. Juli insgesamt 6.193 sogenannte Hassverbrechen zur Anzeige gebracht.

Ein Sprecher der britischen Regierung verurteilte unterdessen den Anstieg der Gewalt. "In Großbritannien können wir Hass gegenüber Personen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung nicht tolerieren", sagte er. Auch der stellvertretende Chef von Scotland Yard, Craig Mackey, äußerte sich besorgt. Das Brexit-Votum habe offenbar etwas bei vielen Menschen freigesetzt, so Mackey.

Auch Polen und Muslime sind Zielscheibe

Die politische Debatte um den EU-Austritt Großbritanniens war stark von rassistischen Ressentiments geprägt. Vor allem die rechtspopulistische Ukip-Partei (UK Independence Party) fiel dabei immer wieder durch rassistische Äußerungen auf. So war auf einem Plakat zur Brexit-Kampagne der Partei der Slogan "An der Zerreißgrenze – Die EU hat uns alle im Stich gelassen" zu lesen. Direkt darunter wurde eine Kolonne von Flüchtlingen abgebildet.

Am 23. Juni hatten die Briten mehrheitlich für den EU-Austritt gestimmt. Aus allen Teilen des Landes waren in der Folge Berichte über verbale und physische Attacken auf Mitbürger mit Migrationshintergrund zu lesen. Die Zeitung The Independent sprach gar von einer "Welle des Hasses".

Vor allem Polen und Muslime wurden dabei vermehrt zur Zielscheibe des Hasses. Im südenglischen Cambridgeshire wurden Wurfsendungen in den Briefkästen polnischer Bewohner gefunden, auf denen in Englisch und Polnisch zu lesen war: "Verlasst die EU/Kein Polnisches Ungeziefer mehr".

Die Einwanderung aus Osteuropa war im Wahlkampf vor dem EU-Referendum eines der Kernthemen der Leave-Kampagne gewesen.

Unzufriedenheit mit der Polizei

Der Anstieg von Hassverbrechen gegenüber Mitgliedern der LGBT-Gemeinde sei allerdings propotional noch höher als bei Verbrechen gegenüber anderen Minderheiten, berichtet der Guardian weiter. Mehr als 3.000 Anklagen wegen Belästigung und Drohung seien der Polizei in der Woche vor und nach dem Referendum gemeldet worden. 

Allerdings würde lediglich ein Viertel der Hassverbrechen mit homophobem Hintergrund überhaupt zur Anzeige gebracht. Grund dafür sei, dass die Hälfte der Betroffenen unzufrieden mit den Konsequenzen einer Anklage sei. Derzeit schaffe das Gesetz und die Rechtsprechung eine Art "Hierarchie der Hassverbrechen", sagte David Isaac, Vorsitzender der britischen Kommission für Gleichberechtigung und Menschenrechte. Dies sende eine Botschaft an die Täter, dass einige Gruppen schutzwürdiger seien als andere.