Unbekannte haben in der Nacht zu Sonntag vor der Tür einer syrischen Familie in Neubrandenburg Feuer gelegt. Vier Bewohner, unter ihnen drei Kinder im Alter zwischen zwei Monaten und vier Jahren, mussten ins Krankenhaus, teilte die Polizei mit. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier verurteilt den Brandanschlag im Flur des Wohnhauses auf das Schärfste. 

"Der oder die Täter haben offenbar bewusst in Kauf genommen, dass Kinder, Frauen und Männer verbrennen können", sagte Caffier. Den polizeilichen Ermittlungen zufolge ist ein fremdenfeindlicher Hintergrund sehr wahrscheinlich, weil die Tat einer syrischen, in dem Haus wohnenden Familie gegolten haben könnte. Die Landespolizei werde alles daran setzen, die Täter zu ermitteln, so Caffier. Sollte sich tatsächlich ein rechtsextremistischer Hintergrund bestätigen, mache ihn das umso fassungsloser. 

Nach Angaben der Polizei wurde im Treppenhaus vor einer Parterrewohnung in Neubrandenburg Sperrmüll angezündet. Das Feuer griff auf zwei Wohnungseingangstüren über, die stark verkohlten. Starker Qualm verrußte das Treppenhaus, Bilder des Nordkurier zeigen völlig schwarze Wände. Die Feuerwehr war mit großem Aufgebot und schwerem Atemschutzgerät im Einsatz. Acht Personen mussten von der Feuerwehr mit einer Drehleiter aus ihren Wohnungen evakuiert werden.

Die drei Kinder mussten im Krankenhaus bleiben. Ein 60-jähriger Mann wurde ambulant behandelt. Der Sachschaden wurde auf 10.000 Euro geschätzt. Die Kriminalpolizei hat Ermittlungen wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung aufgenommen.

Seit dem vergangenen Jahr hat die Gewalt gegen Flüchtlinge massiv zugenommen. Vor zwei Tagen warfen Unbekannte in Brandenburg zwei Brandsätze auf eine Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Selten kann Polizei die Täter der zahlreichen Anschläge der vergangenen Monate überführen: So ergab eine Recherche von ZEIT ONLINE und DIE ZEIT, dass nach bundesweit 222 Angriffen im Jahr 2015 bis Ende November nur 41 Tatverdächtige ermittelt werden konnten.