Die Angst vor gewaltsamen Konflikten und Krieg war das Fluchtmotiv von 70 Prozent der in Deutschland lebenden Geflüchteten. Dies ergab eine Befragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sowie des Forschungszentrums des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf-FZ) unter 4.500 Menschen, die zwischen Januar 2013 und Januar dieses Jahres in Deutschland eingereist sind. Andere wichtige politische Motive waren Verfolgung (44 Prozent), Diskriminierung (38 Prozent) sowie Zwangsrekrutierung (36 Prozent) in ihren Heimatländern. Auch schlechte persönliche Lebensbedingungen und die wirtschaftliche Situation im Herkunftsland wurden von den Befragten als Motive angegeben.

Bevor sie nach Deutschland kamen, haben sich zwei Fünftel der Geflüchteten in einem Transitland aufgehalten, heißt es in der Studie weiter. Zu den häufigsten Transitländern zählten die Türkei, der Iran, der Libanon und der Sudan. Verlassen haben sie die Transitstaaten nach ihren Angaben allerdings nicht immer freiwillig, sondern etwa unter dem Druck prekärer persönlicher Lebensverhältnisse oder aufgrund von Verfolgung, Vertreibung und Diskriminierung.

Kosten variieren stark

Die durchschnittlichen Kosten für die Flucht aus dem Herkunftsland bis nach Deutschland lagen nach Angaben der Befragten bei gut 7.000 Euro. Der größte Anteil entfiel dabei auf die Verkehrsmittel (3.949 Euro), gefolgt von Kosten für die Fluchthelfer oder Schleuser sowie für die Unterbringung, deren Kosten mit durchschnittlich 459 Euro eher gering ausfallen.

Je nach Herkunftsland können die Kosten stark variieren. Die höchsten Summen nannten Befragte aus Afghanistan und Pakistan mit 12.040 Euro, gefolgt von Irak, Iran, Libanon, Palästina sowie Syrien. Wesentlich weniger – im Schnitt 1.398 Euro – mussten Menschen aus den nordafrikanischen Staaten für ihre Flucht zahlen sowie jene aus den Westbalkanstaaten, dem restlichen Afrika und den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion.

50 Prozent der Flüchtlinge bezahlten ihre Flucht durch eigene Ersparnisse, 39 Prozent durch den Verkauf von Vermögenswerten, 34 Prozent durch Gelegenheitsjobs. Nur sehr wenige erhielten Zuwendungen von Familienangehörigen und Freunden oder gar Kredite.

Viele Risiken

Die Flucht aus dem Herkunftsland nach Deutschland dauerte nach Angaben der Befragten im Durchschnitt 35 Tage. Bei der Erhebung zeigte sich aber auch, dass sich Fluchtdauer und Kosten im Laufe der Jahre verringert haben: Betrugen die Fluchtkosten der Menschen, die im ersten Halbjahr 2013 ihre Herkunfts- oder Transitländer verlassen hatten, noch im Schnitt 7.229 Euro, sind die Fluchtkosten derjenigen, die im ersten Halbjahr 2015 nach Deutschland gekommen sind, auf 6.900 Euro, und die derjenigen, die im zweiten Halbjahr 2015 nach Deutschland gekommen sind, auf 5.232 Euro gesunken. Auch die Dauer hat sich verkürzt: von rund 79 Tagen auf 38 beziehungsweise 22 Tage.

Mit der Flucht verbunden sind weiterhin die hohen Risiken und Bedrohungen auf der Reise gen Europa. So gab ein Viertel der Befragten an, Opfer von Schiffbruch gewesen zu sein. 40 Prozent der Befragten sagten, sie seien Opfer körperlicher Übergriffe geworden, 20 Prozent gaben an, sie seien ausgeraubt worden. 15 Prozent der weiblichen Geflüchteten berichteten außerdem von sexuellen Übergriffen.

Bei der Auswahl Deutschlands als Zielland spielt das persönliche Schutzbedürfnis die wichtigste Rolle. 73 Prozent der Befragten gaben an, sie hätten sich für die Bundesrepublik entschieden, weil hierzulande die Menschenrechte geachtet würden. Das deutsche Bildungssystem wurde dagegen seltener als Grund angegeben. Ebenso wenig wie das Gefühl, in Deutschland willkommen zu sein. Knapp 25 Prozent nannten die wirtschaftliche Lage in Deutschland sowie das staatliche Wohlfahrtssystem als Motiv für ihre Wahl.

Bildung spielt wichtige Rolle

Die Studie zeigt auch, dass die Geflüchteten besser ausgebildet sind als erwartet. So haben 50.000 der Schutzsuchenden bereits eine Stelle gefunden. Lediglich bei der Integration von Geflüchteten in Handwerksberufe gibt es Schwierigkeiten. 

Die Befragung zur Schulbildung zeigt, dass 58 Prozent der Geflüchteten in ihren Herkunftsländern zehn Jahre oder mehr in Schule, Ausbildung oder Studium verbracht haben. 37 Prozent von ihnen besuchten eine weiterführende Schule, 31 Prozent eine Mittelschule, 10 Prozent lediglich eine Grundschule und 9 Prozent gar keine Schule. 46 Prozent der erwachsenen Flüchtlinge strebten allerdings noch einen allgemeinen Schulabschluss in Deutschland an, 66 Prozent einen beruflichen Abschluss.