An Heiligabend wurde in vielen deutschen Städten die Polizeipräsenz während der Weihnachtsgottesdienste erhöht. In den Kirchen betonen viele Geistliche nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt in ihren Predigten die Botschaft der Hoffnung in der Weihnachtsgeschichte.

Die Polizisten wurden angehalten, das Geschehen rund um die Kirchen im Blick zu behalten. Am Kölner Dom stehen Polizisten an den Ein- und Ausgängen. Nicht in allen größeren Städten sind jedoch Kontrollen speziell vor Kirchen angekündigt. In Hamburg und Sachsen sind nach Angaben der Polizei über die normalen Kontrollen hinaus keine außergewöhnlichen Einsätze geplant.

Nach dem Anschlag in Berlin begrüßte Hannovers Landesbischof Ralf Meister den Polizeischutz für Weihnachtsgottesdienste. "Ich finde es notwendig und richtig, dass große Ansammlungen von Menschen momentan besonders geschützt werden müssen", sagte der evangelische Theologe an Heiligabend. "Die Gesellschaft hat verstanden, dass sie ihre Offenheit und Liberalität auch schützen muss." Mit Blick auf Sorgen und Ängste der Menschen sagte Bischof Meister in seiner Weihnachtspredigt: "Es gibt ein unglaubliches Bedürfnis nach Geschichten von Hoffnung und Trost." Solche Erzählungen seien "überlebensnotwendig" für die Gesellschaft. "Die größte Geschichte von Trost und Rettung, die unserer Kultur geschenkt wurde, ist die Weihnachtsgeschichte." Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, forderte im Interview der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung Respekt voreinander "indem wir aufeinander hören und auch offen dafür sind, von anderen etwas zu lernen". Das sei die Grundlage der Demokratie, sagte er.  "Diese Grundlage müssen wir bewahren."

In vielen Gottesdiensten erinnerten Kirchenvertreter an die hoffnungsvolle Weihnachtsbotschaft. Der neue Limburger Bischof Georg Bätzing sagte, dass Brutalität, Gewalt und Terror kein Teil von Religion seien und im Widerspruch zur Botschaft von Weihnachten stünden. Gerade in der Weihnachtszeit reagierten die Menschen besonders sensibel auf Schreckensnachrichten, sagte er.

Die Bischöfin der Nordkirche, Kirsten Fehrs, rief zu gesellschaftlichem Zusammenhalt auf. "Gebt den Kindern festen Halt in unseren guten Traditionen", heißt es in dem Manuskript ihrer Weihnachtspredigt. "Sie werden mutig und stark und aufstehen gegen Unrecht und Hass." Angst und Verunsicherung dürften nicht dominieren.

Der Mainzer Weihbischof Udo Markus Bentz warnt vor Politikern, die sich die jüngsten Geschehnisse zu Nutzen machen wollen. Christen müssten der Gewalt und "flotten Parolen" entschieden entgegentreten. Gleichzeitig forderte er, dass man diese unterscheiden müsse von begründeten Ängsten der Bürger.

Die Botschafterin des Reformationsjubiläums 2017, Margot Käßmann, richtete sich im Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung mahnend an Fremdenfeinde und Nationalisten. "Wer meint, hier in Europa das Christentum verteidigen zu müssen und beispielsweise bei Pegida mitmarschiert, muss sich oftmals erst sagen lassen, was das Christentum überhaupt ausmacht", sagte Käßmann.

Der Oldenburger Bischof Jan Janssen sagt laut Redemanuskript in seiner Predigt: "Der Gewalt zu widerstehen, vor ihr nicht einzuknicken, beginnt schon mit einer beharrlichen, ja sturen Hoffnung".  Man dürfe Terroristen und Gewalttätern nicht die Hoheit über die Gedanken der Menschen überlassen, sagte der evangelische Geistliche in der Oldenburger St. Lamberti-Kirche.

Der oberste Repräsentant der rheinischen evangelischen Kirche, Manfred Rekowski, erinnerte an die Weihnachtsbotschaft: "Nicht Gewalt und Macht werden sich durchsetzen, sondern Gewaltlosigkeit".