Kaum drei Wochen ist es her, dass Fatih Çakmak einen Anschlag überlebte. Der 35-jährige Sicherheitsmann war am 10. Dezember im Einsatz, als kurdische Attentäter zwei Bomben vor dem Besiktas-Fußballstadion in Istanbul zündeten. Mehr als 40 Menschen, darunter viele Polizisten, starben bei dem Angriff.

Çakmak blieb unverletzt an diesem Tag, doch er sollte das neue Jahr nicht erleben. In der Silvesternacht wachte er über feiernde Menschen im angesagten Istanbuler Reina-Club, als ein Angreifer dort eindrang und um sich schoss. Çakmak war eines der 39 Opfer.

Anschläge in der Türkei haben eine erschreckende Häufigkeit erreicht. Allein in den vergangenen vier Wochen gab es neben den Angriffen auf den Reina-Club und das Fußballstadion zwei weitere: Am 17. Dezember starben 13 Soldaten bei der Explosion einer Autobombe im zentralanatolischen Kayseri, zwei Tage darauf ermordete ein Attentäter den russischen Botschafter in Ankara.

2016 kamen mehr als 180 Menschen in der Türkei bei Anschlägen ums Leben. Das Neujahrsmassaker im Reina-Club deutet an, dass sich die Sicherheitslage auch im neuen Jahr nicht verbessern wird. Die Wut im Land wächst. "Sie haben meinen Bruder getötet", sagte Erhan Çakmak, Fatihs Bruder, zu Journalisten vor Istanbuls Forensischem Institut, wo er die Leiche des Sicherheitsmanns identifizierte. "Er ist umsonst gestorben."

Am Montagmorgen reklamierte der "Islamische Staat" (IS) den Anschlag auf den Reina-Club für sich. Ein "Soldat des Kalifats" sei verantwortlich. Im Dezember hatte die Terrormiliz ihre Gefolgsleute aufgefordert, die Türkei anzugreifen – eine Reaktion auf die umstrittene Entscheidung der türkischen Regierung, im August in den syrischen Krieg einzugreifen.

Das von den Dschihadisten besetzte Grenzgebiet in Nordsyrien ist ein großes Sicherheitsrisiko für die Türkei. Lange sah die Regierung weg, während die Terrormiliz Waffen, Kämpfer und Geld über die türkisch-syrische Grenze schmuggelte. Doch ab dem Sommer 2015, nachdem die Türkei der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition ihre Unterstützung zusagte, häuften sich die Anschläge in der Türkei.

Die Terrormiliz bekannte sich zunächst nicht zu ihren Anschlägen – vielleicht weil sie mögliche Sympathisanten in der Türkei nicht verschrecken wollte. Aber nach einem Angriff auf ein Hochzeitsfest im Süden des Landes gab die Regierung den Befehl, das Grenzgebiet von Terroristen zu "säubern". Innerhalb weniger Wochen zog sich der IS von der türkischen Grenze zurück.