Der diesjährige Karlspreis geht an den britischen Historiker und Publizisten Timothy Garton Ash. Damit werde der 61-Jährige für sein "herausragendes wissenschaftliches und publizistisches Werk" gewürdigt, teilte das Karlspreis-Direktorium in Aachen mit. Geehrt werde damit auch sein Engagement gegen den erstarkenden Populismus.

"Er tritt dafür ein, dass die Demokratie und ihre Prinzipien, eine liberale und offene Debattenkultur sowie die Verteidigung der Wahrheit gegenüber der Lüge in der Kommunikation erhalten bleiben", heißt es in der Begründung. "Garton Ash bietet den Populisten und Vereinfachern unserer Zeit die Stirn und entwickelt Ideen, wie wir uns in der globalisierten Welt verhalten sollten."

Mit seiner Arbeit leiste Garton Ash außerdem wertvolle Beiträge zum Selbstverständnis Europas. Das Brexit-Votum der Briten im Juni habe er als größte Niederlage seines politischen Lebens bezeichnet. Er wolle jedoch nicht aufgeben, für eine enge Bindung des Vereinten Königreichs und der EU einzutreten.

"Im Namen Europas"

Nach seinem Geschichtsstudium an der Universität Oxford kam Timothy Garton Ash Ende der 1970er Jahre an die Freie Universität Berlin. In der Folge wurde der Brite zu "einem der bedeutendsten Chronisten und publizistischen Begleiter der Freiheitsjahre 1989/90", heißt es in der Begründung des Karlspreis-Gremiums. Bekanntheit erlangte er durch seine Bücher Ein Jahrhundert wird abgewählt (1990) und Im Namen Europas (1993).

Von 1986 bis 1987 arbeitete Garton Ash in Washington am Woodrow Wilson International Center. Seit 1990 lehrt er am St. Antony's College in Oxford, im Jahr 2000 wurde er zudem Senior Fellow an der Stanford University. Garton Ash engagiert sich darüber hinaus in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und schreibt für die britische Zeitung The Guardian.

Als leidenschaftlicher Europäer, der auf die Notwendigkeit eines geeinten Europas hinweist, hatte Garton Ash 2013 bereits den europäischen Medienpreis in Aachen erhalten. Der Brite ist nun der 59. Träger des Karlspreises. Im vergangenen Jahr war Papst Franziskus in Rom damit ausgezeichnet worden.

Verleihung an Christi Himmelfahrt

Seit 1950 wird der Karlspreis für besondere Verdienste um die europäische Einigung verliehen. Er geht auf eine Initiative Aachener Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kirche, Hochschule und Stadtverwaltung zurück. Traditionell wird die Auszeichnung an Christi Himmelfahrt übergeben. 

Der Preis ist nach Karl dem Großen (747/748–814) benannt, der Aachen zum Zentrum seines fränkischen Imperiums machte, das sich über über einen Großteil Westeuropas erstreckte. Der fränkische König führte einheitliche Gesetze ein und wird oft als Vordenker des geeinten Europas verstanden.