Mehrere schwere Beben haben die Region Mittelitalien erschüttert. Der Erdstoß am Mittwochvormittag habe die Stärke 5,1 gehabt, teilte das Geoforschungsinstitut GFZ in Potsdam mit. Auch in Rom war das Erdbeben noch deutlich zu spüren. Kurz darauf ereignete sich ein zweiter Erdstoß, der laut GFZ die Stärke 5,5 hatte, sowie ein drittes Beben mit ähnlicher Stärke.

Das Zentrum lag den GFZ-Angaben zufolge in zehn Kilometern Tiefe in der Gegend um den Ort Amatrice, in der bereits im vergangenen Jahr eine schwere Erdbebenserie viele Häuser zerstört hatte. Die italienische Erdbebenwarte gab eine Stärke von 5,3 an. Nach Angaben des staatlichen Instituts für Geophysik hatten die zweiten Erdstöße am Mittwoch eine Stärke von 5,6. Das Zentrum liege zwischen der Abruzzen-Stadt L'Aquila und der Stadt Rieti in der Region Latium.

Laut italienischen Medien gab es kleinere Gebäudeschäden in Amatrice und Accumoli. Einsatzkräfte arbeiteten wegen Massen an Schnee unter extremen Bedingungen, wie der Zivilschutz mitteilte. Ein Kind und dessen Mutter wurden unterkühlt, aber lebend aus den Trümmern gerettet. Zum Glück scheine es, als habe es keine Todesopfer gegeben, sagte Ministerpräsident Paolo Gentiloni. Der Chef des Zivilschutzes, Fabrizio Curcio, sagte allerdings, dass möglicherweise eine Person unter einer Lawine begraben worden sei, die durch die Erdbeben ausgelöst wurde.

Im 150 Kilometer entfernten Rom waren die Beben deutlich zu spüren. Häuser wackelten, die U-Bahn wurde zeitweise gesperrt. Schulen und Büros wurden evakuiert. Seismologen schließen nicht aus, dass auf die Beben noch schwerere Erdstöße folgen.

"Die Situation ist kompliziert", sagte Curcio angesichts der Schneemassen. In den Abruzzen und den Marken seien 130.000 Haushalte ohne Strom, einige Ortschaften sind von der Außenwelt abgeschlossen. 

Merkel bietet Hilfe an

"Dass es immer wieder zu so starken Erdbeben kommt, ist alarmierend für die Bevölkerung vor Ort, die bereits so viele Schicksalsschläge hinnehmen musste", sagte Gentiloni. Er sprach von einem schwierigen Tag für sein Land. Er habe sich mit dem Zivilschutz und dem Verteidigungsministerium abgestimmt und eine Verstärkung des ohnehin schon präsenten Militärs angefordert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bat Italien deutsche Hilfe an. "Ich kann mir vorstellen, wie schrecklich das ist", sagte sie. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sicherte Italien ebenfalls Unterstützung zu: "Ein Erdbeben in Italien ist ein Erdbeben in Europa."

Schon vor den schweren Erdbeben ächzte die Region unter den Schneemassen. Nun setzten viele Bürgermeister der betroffenen Orte Hilferufe ab. Der Schnee sei das größere Problem, nicht das Beben, sagte etwa der Bürgermeister von Amatrice, Sergio Pirozzi, laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. Mehr Räumfahrzeuge und Schneefräsen seien notwendig. "Wir haben Ortsteile, die von zwei Meter hohem Schnee isoliert sind."

Bei dem Beben im August 2016 starben fast 300 Menschen, Zehntausende wurden obdachlos. Auch zwei Monate später im Oktober bebte die Erde erneut in Mittelitalien, ein Mensch starb.

Man könne nicht ausschließen, dass auf die Beben am Mittwoch weitere, noch schwerere Erdstöße folgen, sagte der Geologe der Erdbebenwarte INGV, Carlo Meletti, der Zeitung La Repubblica. Dass vier so starke Beben innerhalb weniger Stunden aufeinander folgen, sei eine neue Qualität, sagte ein anderer INGV-Experte der Nachrichtenagentur Ansa. "Das ist ein neues Phänomen in der jüngsten Geschichte angesichts der Art und Weise, wie es aufgetreten ist."

Italien wird immer wieder von schweren Erdbeben heimgesucht. Grund für die Beben sind riesige Spannungen, die sich im Untergrund aufbauen. Der Adriasporn – ein Anhängsel der afrikanischen Erdplatte – reibt sich dort an der Eurasischen Platte. Auch deshalb haben sich Italiens Mittelgebirge aufgefaltet. Die enormen Energien können sich immer wieder in Beben entladen.