Unter den Toten des Anschlags an Silvester auf den Istanbuler Nachtclub Reina sollen auch zwei Männer aus Bayern sein. "Wir gehen davon aus, dass zwei Todesopfer ihren Wohnsitz in Deutschland hatten", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin. Eines der Opfer sei nach bisherigen Erkenntnissen Deutscher, das andere türkischer Staatsbürger. Zudem seien bei dem Anschlag drei Deutsche verletzt worden, sie seien aber außer Lebensgefahr.

Ermittler vermuten Zeitungsberichten zufolge den sogenannten "Islamischen Staat" (IS) hinter dem Angriff. Der hat sich jetzt auch dazu bekannt. Ein "Soldat des Kalifats" sei für die Tat verantwortlich, heißt es in einer am Montag im Internet verbreiteten Erklärung des IS. Der Attentäter habe die Nazarener, womit Christen gemeint sind, "mit Handgranaten und seiner automatischen Waffe angegriffen und ihre Feiern in Trauer umgewandelt". Der Angreifer hatte mit einer automatischen Waffe auf die Besucher des Nachtclubs geschossen. Von einem Einsatz von Handgranaten ist von offizieller Seite bislang nichts bekannt. Die Echtheit des Schreibens kann nicht überprüft werden.

ZEIT-Korrespondent Yassin Musharbash wertet das Bekennerschreiben als auffällig: "Zum einen, weil der IS sich zu zahlreichen Anschlägen in der Türkei, die ihm zugerechnet werden, nicht bekannt hat. Zum zweiten, weil die Terrororganisation sich dieses Mal nicht über die von ihm als Nachrichtenagentur verbrämte Propagandaabteilung Amak bekannte, sondern über seine zentrale Medienstelle." Seit mehr als einem Jahr ist Amak praktisch der einzige offizielle IS-Kanal zur Verbreitung von Bekennerschreiben zu Anschlägen im Ausland. Einige Analysten vermuten nun, der IS wolle auf diese Weise klarstellen, dass der Anschlag von Istanbul von der IS-Zentrale geplant und befohlen wurde, und nicht etwa das Werk eines selbstrekrutierten Attentäters sei. 

Nach Ansicht der Polizei stamme der Täter, der immer noch auf der Flucht ist, aus den ehemaligen Sowjetrepubliken Usbekistan oder Kirgistan. Das schreiben die Zeitungen Hürriyet und Karar. Die Ermittler schließen demzufolge nicht aus, dass der Mann Kontakt mit der mutmaßlichen IS-Zelle hatte, die im vergangenen Juni den dreifachen Selbstmordanschlag auf den Istanbuler Atatürk-Flughafen verübt haben soll, bei dem 45 Menschen starben.

Geheimdienst warnte vor Anschlägen

Hürriyet zufolge hatten Polizei und Geheimdienste in der Türkei vor Silvester Informationen über möglicherweise zum Jahreswechsel bevorstehende Anschläge in verschiedenen Städten erhalten. Im Dezember habe es in diesem Zusammenhang Razzien und Festnahmen gegeben. Am 30. Dezember sei dann eine Geheimdienstwarnung aus den USA über die Gefahr von IS-Anschlägen in Istanbul oder Ankara am kommenden Tag eingegangen.

Die türkische Armee ist seit vier Monaten im Norden Syriens an einer Offensive gegen die IS-Miliz und kurdische Kämpfer beteiligt. Istanbul, Ankara und andere türkische Städte waren im vergangenen Jahr das Ziel von Anschlägen, die dem IS oder bewaffneten kurdischen Gruppen zugeschrieben wurden. Dabei wurden Hunderte Menschen getötet.

Dem IS wurden seit Sommer 2015 mehrere Anschläge in der Türkei zur Last gelegt, die Terrormiliz hat vor dem Angriff in der Silvesternacht aber nur ein einziges Mal die Verantwortung für einen Anschlag übernommen: den Autobombenanschlag auf eine Polizeistation in Diyarbakir im November, bei dem elf Menschen getötet worden waren. Allerdings hatte auch die TAK – eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK – die Tat für sich reklamiert.

Der Attentäter aus dem Nachtclub hatte laut türkischen Behörden am Neujahrstag zunächst einen Polizisten und einen Zivilisten erschossen, dann tötete er wahllos Partygäste im Club Reina. Unter den 39 Toten sollen mindestens 26 Ausländer sein, die meisten Toten stammten aus dem Nahen Osten. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, dass zudem 69 Menschen verletzt wurden.

Anschlag auf Nachtclub in Istanbul

In dem auf der europäischen Seite von Istanbul gelegenen Club mit mehreren Restaurants und Tanzflächen hielten sich zur Silvesterfeier schätzungsweise 800 Menschen auf. Die türkischen Sicherheitsbehörden fahnden mit einem Großaufgebot nach dem Täter. Medienberichten zufolge nahm die Polizei in Istanbul am Montag acht Verdächtige fest. Antiterroreinheiten hätten sie in Gewahrsam genommen, der flüchtige Angreifer sei jedoch nicht unter ihnen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan kündigte an, weiter entschlossen gegen den Terrorismus zu kämpfen. Die Türkei werde alles tun, um "die Sicherheit und den Frieden ihrer Bürger zu gewährleisten".

Terroranschläge in der Türkei

  • 5. Januar 2017

    Mindestens 11 Menschen wurden bei einer Explosion vor dem Gerichtsgebäude in Izmir verletzt, darunter auch Polizisten. Hinter dem Anschlag wird die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK vermutet.

  • 1. Januar 2017

    Während eines Anschlags auf den Istanbuler Nachtclub Reina werden mindestens 39 Menschen getötet, darunter 16 Ausländer.

  • 19. Dezember 2016

    Der russische Botschafter Andrej Karlow wird in Ankara von einem türkischen Polizisten niedergeschossen. Die Regierung verdächtigt die Gülen-Bewegung, hinter dem Attentat zu stecken.

  • 17. Dezember 2016

    In der zentraltürkischen Stadt Kayseri sterben durch einen Selbstmordanschlag mindestens 13 Soldaten. Der Attentäter hatte eine Autobombe neben einem Bus mit Militärangehörigen gezündet. Auch hierzu bekennt sich die TAK.

  • 10. Dezember 2016

    Nach einem Fußballspiel im zentralen Istanbuler Stadtteil Beşiktaş töten zwei Selbstmordattentäter der TAK 45 Menschen, die meisten von ihnen Polizisten.

  • 4. November 2016

    Vor dem Polizeihauptquartier in Diyarbakır werden neun Menschen getötet. Die Regierung macht die PKK verantwortlich, doch es bekennt sich der IS. Auch die TAK reklamiert die Tat für sich. Zu der Explosion war es kurz nach den Festnahmen von zwölf Abgeordneten der prokurdischen HDP gekommen.

  • 9. Oktober 2016

    In der südosttürkischen Provinz Hakkâri bringt ein Attentäter einen mit Sprengstoff beladenen Kleinlaster vor einem Kontrollposten der Gendarmerie zur Explosion. Bei dem Selbstmordanschlag der PKK sterben 18 Menschen.

  • 26. September 2016

    Bei drei Anschlägen der PKK im Südosten des Landes werden insgesamt 17 Menschen getötet, 14 weitere verletzt. Ziel der Angriffe mit Sprengfallen und Bomben waren türkische Soldaten.

  • 12. September 2016

    Eine Autobombe explodiert vor der Zentrale der Regierungspartei AKP in Van. 48 Menschen werden verletzt. Die Regierung macht die PKK verantwortlich.

  • 26. August 2016

    Ein PKK-Attentäter sprengt sich vor dem Polizeipräsidium in Cizre im kurdischen Südosten der Türkei in die Luft und reißt elf Polizisten in den Tod.

  • 17. August 2016

    Durch eine Anschlagserie der PKK auf Sicherheitskräfte im Südosten des Landes werden mindestens 9 Menschen getötet und mehr als 200 weitere verletzt.

  • 20. Juli 2016

    Ein IS-Attentäter tötet auf einer kurdischen Hochzeitsgesellschaft in Gaziantep im Südosten der Türkei 57 Menschen, darunter 34 Kinder.

  • 28. Juni 2016

    Durch einen dreifachen Selbstmordanschlag auf den Istanbuler Atatürk-Flughafen werden 48 Menschen getötet und mehr als 200 Menschen verletzt. Die Regierung macht den IS verantwortlich.

  • 8. Juni 2016

    Die Explosion einer Autobombe tötet vier Menschen vor einem Polizeirevier in Midyat im Südosten der Türkei, 30 weitere werden verletzt. Zu der Tat bekennt sich die PKK.

  • 7. Juni 2016

    Durch einen Bombenanschlag werden im historischen Zentrum Istanbuls elf Menschen getötet, darunter sieben Polizisten. Zu dem Anschlag bekennt sich die TAK.

  • 19. März 2016

    Auf der beliebten İstiklâl-Einkaufsstraße im Zentrum von Istanbul reißt ein Selbstmordattentäter vier ausländische Touristen – drei Israelis und einen Iraner – mit in den Tod. Die Behörden vermuten den IS hinter der Tat.

  • 13. März 2016

    Mindestens 34 Menschen werden bei der Explosion einer Autobombe im Zentrum von Ankara getötet, Dutzende verletzt. Auch dazu bekennt sich die TAK.

  • 17. Februar 2016

    Bei einem Anschlag mit einer Autobombe auf einen Militärkonvoi in der Hauptstadt Ankara werden 28 Menschen getötet. Eine radikale Splittergruppe der kurdischen PKK bekennt sich zu dem Anschlag: Die Freiheitsfalken Kurdistans, kurz TAK.

  • 12. Januar 2016

    Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Touristengruppe im Zentrum Istanbuls werden zwölf Deutsche getötet. Die Regierung gibt dem IS die Schuld für den Anschlag vor der Blauen Moschee.

  • 10. Oktober 2015

    Während einer Friedenskundgebung vor dem Hauptbahnhof in Ankara reißen zwei Selbstmordattentäter des IS 103 Menschen in den Tod. Mehr als 500 Menschen werden verletzt.

  • 8. September 2015

    Ein Minibus mit Polizisten wird von PKK-Kämpfern mit einem Sprengstoffanschlag angegriffen. Es sterben 14 Polizisten, zwei werden verletzt

  • 6. September 2015

    Kurdische Rebellen verüben zwischen Dağlıca und Yüksekova einen Sprengstoffanschlag auf einen Konvoi des türkischen Militärs. 16 Soldaten werden getötet und sechs weitere verletzt.

  • 10. August 2015

    Bei einem Bombenanschlag und einem anschließenden Angriff auf eine Polizeiwache in Istanbul werden drei Menschen getötet, ein Polizist und zwei Angreifer.

  • 20. Juli 2015

    34 Menschen werden bei einem Anschlag auf junge kurdische Aktivisten in Suruç an der Grenze zu Syrien getötet. Die Regierung macht die Terrorgruppe "Islamischer Staat" für die Tat verantwortlich.