Der französische Präsident François Hollande hat einen jungen Mann im Krankenhaus besucht, der in einem Fall von mutmaßlicher Polizeigewalt schwer verletzt wurde. Bei der Festnahme des 22-Jährigen in einer Pariser Vorstadt waren die Beamten gewalttätig vorgegangen, vier von ihnen wurden vom Dienst suspendiert. Der Vorfall erregte große Aufmerksamkeit in Frankreich

Der Élysée-Palast veröffentlichte Fotos, die den Staatschef am Krankenbett des jungen Mannes zeigen. Hollande blieb etwa eine halbe Stunde in dem Krankenhaus von Aulnay-sous-Bois nordöstlich von Paris. Er lobte den jungen Mann namens Théo, er habe würdig und verantwortungsvoll auf die Vorfälle reagiert. Hollande wies auf die laufenden Justizermittlungen hin. Die Justiz beschütze alle Bürger vor Straftaten, auch wenn Sicherheitskräfte daran beteiligt seien.

Polizisten wollten den Verdächtigen wegen mutmaßlichen Drogenhandels festnehmen und verletzten ihn dabei schwer mit Schlagstockhieben. Gegen vier Polizisten laufen Ermittlungsverfahren, einer soll dem jungen Mann einen Schlagstock in den After gerammt haben. Gegen ihn wird wegen Vergewaltigung ermittelt, gegen die anderen Beschuldigten wegen vorsätzlicher Gewalt. Der Verletzte musste operiert werden und ist zwei Monate lang arbeitsunfähig geschrieben. Gegenüber dem Fernsehsender BFM TV sagte der Mann, dass die Polizisten ihn rassistisch beschimpft hätten, weil er schwarz sei.

Premierminister Bernard Cazeneuve forderte im Parlament ein vorbildliches Verhalten von Polizisten, auch in der aktuell wegen Terrorgefahr angespannten Lage. Er kündigte ein hartes Vorgehen gegen die Täter an, es müsse mit "größter Entschiedenheit" reagiert werden. Innenminister Bruno Le Roux sagte, "Beispielhaftigkeit" und "Respekt" müssten die "ständigen Maßstäbe" für die Arbeit der Sicherheitskräfte sein.

In dem Pariser Vorort Aulnay-sous-Bois gab es in der dritten Nacht in Folge gewalttätige Proteste. Bei Ausschreitungen wurden 26 Menschen festgenommen. Nach Polizeiangaben sollen sie Autos und Mülleimer in Brand gesetzt haben. Auch zwei Geschäfte und Polizeiautos wurden beschädigt.

In Frankreich wird Polizisten wiederholt vorgeworfen, in als problematisch geltenden Vorstädten äußerst hart vorzugehen, insbesondere gegen Jugendliche und junge Männer aus Einwandererfamilien.