An der Polizeiakademie unterrichtet der Wissenschaftler diejenigen, die Polizisten werden. Viele seiner Schüler mit Migrationshintergrund sprächen nicht mehr die Sprache ihrer Eltern oder Großeltern und identifizierten sich kaum noch mit deren Kultur. Dabei seien Sprachkenntnisse das Einzige, was sie von ihren deutschen Kollegen unterscheiden könnte. "Menschen mit ausländischen Wurzeln sind nicht automatisch sensibler für kulturelle Belange."

 Bei den Nachwuchspolizisten könnte das auch zu Spannungen führen. "Wir verlangen von einem Menschen mit Migrationshintergrund, dass er weiß, wie sich Menschen aus seinem Kulturraum verhalten." In Situationen, in denen eine fremde Sprache oder Hintergrundwissen von Vorteil sein könnte, säße der Polizist immer zwischen zwei Stühlen. Trotz psychischen Drucks müsse sich der Polizist am Ende gegen seine Landsleute entscheiden. "Ein Polizist ist kein Vermittler. Er macht das, was das deutsche Recht fordert."

Bewerbung mit Hürde

 Doch viele Bewerber schaffen es gar nicht bis in eine Anstellung. Zwar nimmt in den meisten Bundesländern die Bewerberanzahl von Migranten zu, aber das bedeutet nicht immer, dass deutlich mehr eingestellt werden. In Hamburg, einem der Bundesländer mit dem höchsten Anteil an Menschen aus Einwandererfamilien (28,8 Prozent), hatten 26 Prozent der Bewerber Migrationshintergrund. Unter den Eingestellten waren am Ende nur rund 16 Prozent.

Die Voraussetzungen für den Polizeidienst sind hoch – ob mit oder ohne Migrationshintergrund. Nur wenige Bewerber sind für den Polizeidienst geeignet. Bei der Berliner Polizei sind im Jahr 2015 rund 40 Prozent der Bewerber durchgefallen, in Hessen war es vorheriges Jahr jeder siebte Bewerber. Migrantische Bewerber begegnen im Einstellungstest zusätzliche Hürden, denen sich der deutsche Nachwuchs nicht stellen muss.

Polizeiwissenschaftlerin Daniela Hunold forscht an der deutschen Hochschule der Polizei in Münster über Migranten in der Polizei. Dabei kam heraus, dass Menschen mit Migrationshintergrund in den Bewerbungsgesprächen andere Fragen gestellt werden, als den deutschen Bewerbern. "Es kann zum Beispiel vorkommen, dass Menschen mit türkischen Wurzeln nach der türkischen Geschichte befragt werden", sagt Hunold. Wenn der Bewerber keinen Bezug mehr zu seinen Wurzeln hat, dann katapultieren ihn solche Fragen schnell ins Aus.